Die Geschehnisse hinter dem Gästeblock in Leipzig | 14.02.17

Nach dem Sieg des HSV in Leipzig am vergangenen Samstag kam es unter dem Gästeblock und auf dem Stadionwall zu Auseinandersetzungen zwischen Ordnern und HSV-Fans. Die Fanhilfe der Nordtribüne war selbst vor Ort, hat mit anwesenden HSV-Fans gesprochen und Videomaterial gesichtet, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten.

Als eine größere Gruppe von HSV-Fans gemeinsam den Gästeblock verließ, hatte der Leipziger Ordnungsdienst ein enges Spalier gebildet, direkt dahinter eine weitere Reihe Polizeieinheiten. Beim Verlassen des Gästeblocks wurden dann zwei HSV-Fans vom Ordnungsdienst aus der Gruppe gezogen und von der Polizei abgeführt. Hier kam es zu ersten Schubsereien.

Die Szenerie verlagerte sich nun auf den Stadionwall. Die beteiligten Ordner machten mit Gesten und verbalen Provokationen deutlich, dass sie weiterhin Interesse an einer handfesten Auseinandersetzung hätten, obwohl der Grund des Eingreifens bereits erledigt war. Die verbliebenen HSV-Fans wurden den Wall hinaufgetrieben, immer wieder wurden einzelne HSV-Fans vor allem mit Schlägen auf Kopfhöhe attackiert oder zu Boden gerissen und auf der anderen Seite des Walls vielfach diesen hinunter geschubst und getreten. Dies geschah alles weiterhin direkt vor den Augen der anwesenden Polizeieinheiten. Es wurden hierbei keineswegs nur Ultras in die minutenlangen Auseinandersetzungen verwickelt, sondern auch viele weitere – teilweise minderjährige – HSV-Fans.
Die Ordner setzten hierbei zum Teil Fahnenstöcke der HSV-Fans zum Schlagen ein. Auch ein Teppichmesser wurde durch einen Ordner kurz gezogen, aber zum Glück nicht eingesetzt. Einzelne Ordner versuchten das Filmen der Situation zu verhindern.

Während der gesamten Auseinandersetzungen befanden sich behelmte Polizisten hinter den Ordnerketten. Die Situation beruhigte sich als die meisten HSV-Fans das Stadion verlassen hatten. Nach den Auseinandersetzungen positionierten sich dann Polizisten auf der letzten Treppe zwischen den HSV-Fans und Ordnern.

Die gestrigen Aussagen der Polizei Sachsen gegenüber dem Hamburger Abendblatt und auf Twitter (https://pbs.twimg.com/media/C4jlLJlWEAAlO0T.jpg) empfinden wir als große Frechheit. Laut Polizei Sachsen entbehren die Vorwürfe jeglicher Grundlage, die Polizei habe die Auseinandersetzungen beendet.
Hier müssen wir widersprechen. Die Auseinandersetzungen wurden nicht durch die Polizei beendet, sondern endeten, weil die HSV-Fans das Stadion verlassen hatten. Weiterhin sollten die Auseinandersetzungen der Polizei in der hier geschilderten Form durchaus bekannt sein. Die Auseinandersetzungen dauerten mehrere Minuten und fanden durchgehend in Anwesenheit und Sichtweite von Polizeieinheiten statt. Sichtbar sein sollte dies auch auf den Aufnahmen der Überwachungskameras im Stadion und den mobilen Kameras der Polizei, die normalerweise bei einem Bundesligaspiel ständig im Einsatz sind, falls sie nicht ausgerechnet in diesem Moment außer Betrieb waren, wie uns berichtet wurde.

Dass die Polizei Sachsen das gewaltsame Auftreten des Ordnungsdienstes mindestens wohlwollend duldete, sich im Nachhinein als beruhigendes Element darstellt und weiterhin HSV-Fans, die sich öffentlich geäußert haben und zum Teil von Ordnern attackiert wurden, bewusstes Lügen unterstellt, ist grotesk. Des Weiteren ist es höchst unsachlich die Vorkommnisse in einen Zusammenhang mit den Vorfällen in Dortmund aus der Vorwoche zu stellen, wie von Polizeisprecher Uwe Voigt getan.

Bei dem eingesetzten Ordnungsdienst handelt es sich um die Sicherheitsfirma „Black Rainbow Security“, ein Ordnungsdienst mit dem bereits in der Vergangenheit auch andere Fanszenen Probleme im Gästeblock des Leipziger Stadions hatten. Es ist fast müßig auf den Widerspruch hinzuweisen, dass der Club RB Leipzig, der sich vergangene Woche so exponiert gegen Gewalt positionierte, einen solch gewaltaffinen Ordnungsdienst beschäftigt.

Die Fanhilfe wünscht zunächst allen Geschädigten gute Besserung und ist natürlich auch für alle Betroffenen ansprechbar (Kontakt über fanhilfe@nordtribuene-hamburg.de oder direkt im Stadion am Nordtribünenstand hinter 28B). Hier noch einmal der Hinweis, dass Verletzungen zeitnah dokumentiert werden sollten.
Wenn ihr bei den Auseinandersetzungen verletzt wurdet, über Videomaterial von der Situation verfügt oder die Auseinandersetzungen beobachtet habt, kontaktiert uns bitte.

An dieser Stelle möchten wir auch noch auf die Stellungnahme des HSV-Fanprojekt verweisen (https://www.facebook.com/hsv.fanprojekt/posts/1270213483014427).

Fanhilfe Nordtribüne, 14.02.2017