Archiv des Autors: JoHH

Gemeinsam die Betroffenen der Flutkatastrophe unterstützen

In den letzten Tagen wurde uns wieder einmal bewusst, wie unwichtig Fußball sein kann und wie wichtig Solidarität ist. Viele Menschen haben in den letzten Tagen nicht nur enorme materielle Verluste erlitten, sondern auch geliebte Menschen verloren. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei ihnen und wir wünschen allen Betroffenen viel Kraft.

Solidarität und Hilfestellung können Kraft geben und von daher rufen wir gemeinsam dazu auf, Hilfsbündnisse wie das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe und Aktion Deutschland Hilft mit Spenden zu unterstützen. Dort sind bereits entsprechende Strukturen vorhanden, damit die Hilfe auch dort ankommt, wo diese gerade am dringendsten benötigt wird.

Gleichzeitig wollen wir allen Helferinnen und Helfern, die gerade ehrenamtlich und unermüdlich in den betroffenen Gebieten helfen, unsere tiefste Dankbarkeit aussprechen.

Dieser Dank gilt auch den zahlreichen Initiativen von HSV Fans aus den Regionen, die auf eigene Faust bereits Spenden sammeln und direkt Unterstützung angeboten haben. Sollte auch Euer Fanclub Aktionen ins Leben gerufen haben, welche wir unterstützen können, dann meldet Euch gerne unter supporters@hsv.de bei uns.

HSV e.V.

HSV Supporters Club

HSV-Fanprojekt

HSV Bereich Fankultur

Förderkreis Nordtribüne e.V.

im Juli 2021

Statement der aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Moin HSV-Fans,

eine weitere Saison in der wohl spannendsten 2. Bundesliga aller Zeiten liegt unmittelbar vor uns. Auch wegen des schmerzhaften Ausgangs der letzten Spielzeit wollen wir als aktive Fanszene ein paar Worte an Euch richten, um geschlossen hinter der Mannschaft zu stehen, sobald der Ball wieder rollt.

Wir wollen an dieser Stelle keine Zweifel aufkommen lassen, dass für uns in dieser Spielzeit allein der Einsatz für unsere Stadt und unseren Verein an erster Stelle steht. Der sportliche Erfolg im Sinne eines Aufstiegs in die Bundesliga bleiben für uns nach den zahlreichen Umbrüchen der vergangenen Jahre zweitrangig. Gerade weil der Boulevard auch in diesem Jahr keine Gelegenheit auslassen wird, den Aufstieg als Ziel zu benennen, ist es dabei auch unsere Pflicht, mit der sportlichen Erwartungshaltung auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und der jungen Mannschaft nicht eine noch schwerere Last aufzubürden.
Wir wollen vielmehr endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die 90 Minuten und 34 Spiele lang zeigt, dass sie stolz darauf ist, für unseren Hamburger Sport-Verein auf dem Rasen zu stehen. Nur das zählt am Ende!

Nach den enttäuschenden Auftritten in den letzten Spielzeiten erwarten wir daher vor allem, dass wir in diesem Jahr auch in sportlicher Hinsicht wieder als Nummer Eins der Stadt aus der Saison gehen. Mit den mutlosen Auftritten in den beiden wichtigsten Spielen der Saison muss endlich Schluss sein. Es ist daher aber auch unsere Aufgabe, in der Stadt eine weit über die aktive Fanszene hinausgehende blau-weiß-schwarze Euphorie zu erzeugen, die unsere Mannschaft durch derartig wichtige Spiele trägt.
Zudem steht außer Frage, dass wir auch gegen die Hamburg-Hasser von der Weser zwei Auftritte erwarten, die keine Zweifel daran lassen, dass man den Platz als Sieger verlassen will. Nachdem man sich dort in den letzten Jahren wohl etwas zu sehr in der Schadenfreude über unser sportliches Abschneiden gesuhlt hat, können wir in dieser Spielzeit endlich wieder zeigen, dass es – wie schon die Terminierung des ersten Spieltags zeigt – im Norden nur einen relevanten Verein gibt.

Auch wenn wir als aktive Fanszene erst wieder im Stadion auftreten werden, wenn keinerlei pandemiebedingte Beschränkungen unseren Stadionalltag beeinträchtigen, werden wir auch außerhalb der Stadien unser Bestes geben, die Mannschaft zu unterstützen, um diese Spielzeit so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Der Mannschaft haben wir in einem persönlichen Gespräch bereits unseren Rückhalt ausgesprochen und werden diesen Weg gemeinsam bis zum Schluss gehen.

Gemeinsam für Stadt und Verein. Auf geht’s HSV!

Die aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Sexualisierte Gewalt beim HSV – Wir wollen nicht länger wegschauen!

Folgend dokumentieren wir den Text des Netzwerks Erinnerungsarbeit über sexualisierte Gewalt beim HSV.

Hand am Arsch, Sprüche beim Bierholen, in den Weg stellen im Sonderzug, anzügliche Nachrichten per Whatsapp, Vergewaltigungen verharmlosende Gesänge… Die Formen sexualisierter Gewalt in den Fußballfanszenen und auch in unserer Szene sind vielfältig. Das, was ihnen unter anderem zugrunde liegt, ist eindeutig: Sexismus.

Sexismus meint die Abwertung aufgrund des zugeschriebenen Geschlechts. Sexismus kann sich, wie andere Formen der Diskriminierung und Ungleichbehandlung auch, in verschiedensten Formen zeigen, unter anderem als sogenannte sexualisierte Gewalt.

Sexualisierte Gewalt sind Gesänge wie “Zieh ihn raus, steck ihn rein für den Verein”, Rufe wie “Spinne” und “Puppe” oder Aussagen wie “Na, hast die Alte letzte Woche noch weggemacht?” und “Na du schöne Frau, hast du nicht Lust mir einen zu blasen?”. Sexualisierte Gewalt meint auch, Frauen hinterher zu pfeifen, sie anzustarren oder ihnen vulgäre Sprüche zuzurufen. Immer wieder berichten z.B. Frauen im Fußball, dass sie Sprüche von Männern gedrückt bekommen, wenn sie alleine Bier holen gehen und nichts hören, wenn sie mit männlicher Begleitung unterwegs sind.
Sexualisierte Gewalt werden körperliche Handlungen genannt, die von der betroffenen Person nicht gewollt werden, wie beispielsweise die “Hand am Arsch”, wenn man einen vollen Block betritt oder durch den Sonderzug läuft, bis hin zur Vergewaltigung.
Gerade Frauen, die neu in eine Fußballfanszene kommen und sich erstmal noch “beweisen müssen”, erzählen später häufig, wie stark sie in der Zeit von sexualisierter Gewalt betroffen waren.

Auch bei unserem Verein und in unserer Fanszene ist sexualisierte Gewalt keine Ausnahmeerscheinung, sondern Normalität. Von sexualisierter Gewalt können auch Männer betroffen und die grenzüberschreitenden Personen auch weiblich sein, in den allermeisten Fällen allerdings sind die Täter Männer und die Betroffenen Frauen. Wir wollen nicht mehr länger wegschauen und nichts tun. Wir wollen das Problem der sexualisisierten Gewalt angehen und die Betroffenen unterstützen.

Wie können wir Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützen?
Zuallererst: Hört den Betroffenen zu und stellt das Gehörte nicht in Frage. Jede Person entscheidet selbst, wann ihre Grenzen verletzt wurden. Seid aufmerksam und lasst sexistische Sprüche nicht unkommentiert stehen. Wenn wir sexualisierte Gewalt beim HSV nicht länger hinnehmen wollen, brauchen wir ein Klima bei uns, was Sexisten keinen Raum gibt.

Was könnt ihr konkret als Männer beim HSV tun?
Unterstützt Frauen, wenn sie um Unterstützung bitten. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie ihr unterstützen könnt, fragt sie einfach. Apropos fragen, hinterfragt euch selber, ob ihr schon einmal übergriffig wart und was ihr bisher tut, um Frauen zu supporten. Informiert euch darüber, was sexualisierte Gewalt ist, wo sie beginnt und wie ein Umgang damit aussehen kann – nur so könnt ihr sie erkennen und wissen, wie ihr Betroffene unterstützen könnt. Sprecht auch mit Männern untereinander, und nicht nur mit Frauen, über das Thema und sagt auch dann etwas gegen sexistische Äußerungen, wenn ihr nur unter Männern seid. Habt die Frauen in euren Gruppen und Zusammenhängen auf dem Schirm und fragt sie, ob sie bei Aktionen und Fahrten dabei sein wollen. Ihr findet es sexistisch, wenn Frauen sich unter sich treffen, um sich so einen Schutzraum vor sexualisierter Gewalt zu schaffen? Fragt und hinterfragt euch lieber, wie in diesem Fall Wirkung und Ursache wirklich miteinander zusammenhängen. Denn allzu oft sitzt ihr in elitären, rein männlichen Runden zusammen. Diese Männerbündelei ist wiederum der Auslöser dafür, dass sich Frauen miteinander zusammenschließen

Und was könnt ihr als Frauen beim HSV tun?
Macht euch darüber bewusst, dass ihr nicht alleine mit euren Erfahrungen seid. Alle Frauen beim Fußball erleben verschiedene Formen sexualisierter Gewalt, auch wenn manche sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Am wichtigsten ist zu verstehen, dass ihr nicht Schuld daran seid, wenn ihr sexualisierte Gewalt erfahrt. Auch dann nicht, wenn ihr mit Minirock und hohen Schuhen ins Volksparkstadion kommt. Ihr könnt anziehen was ihr wollt, denn kein Outfit der Welt gibt jemand anderem das Recht, euch gegenüber Grenzen zu überschreiten. Auch unter den Frauen beim HSV passiert es viel zu häufig, dass abschätzig übereinander geredet wird, z.B., weil eine Frau sich angeblich zu weiblich für den Fußball anziehe. Hier kann eine solidarische Vernetzung unter den Frauen helfen. Im Februar 2020 gab es z.B. einen ersten Auswärtsbus von und mit Frauen zum Spiel nach Hannover und seitdem immer wieder verschiedene Vernetzungen unter Frauen beim HSV. Wenn ihr von sexualisierter Gewalt betroffen seid und Beratung braucht oder euch mehr zu dem Thema informieren wollt, dann gibt es verschiedene Stellen, an die ihr euch wenden könnt (siehe unten).

Sexismus und sexualisierte Gewalt im Fußball führen dazu, dass viele Frauen sich immer wieder unwohl im Stadion fühlen oder strukturell von bestimmten Posten im Fußball (Vorstand, Vorsänger, Trainer usw.) ausgeschlossen werden. Männer wiederum profitieren tagtäglich (häufig unbewusst) von sexistischen Zuständen im Fußball und in unserer Gesellschaft. Kein Wunder also, dass viele Männer kein Interesse daran haben, diese sexistischen Verhältnisse im Fußball zu verändern.

Sexismus ist kein Phänomen, was alleine auftritt, sondern es ist mit anderen Formen der Diskriminierung verschränkt. So sind z.B. queere Frauen oder Women of Color nicht nur Sexismus, sondern auch Queerfeindlichkeiten oder Rassismus ausgesetzt. Es macht also Sinn, die verschiedenen Formen von Diskriminierungen zusammen zu denken.

Lasst uns gemeinsam für einen HSV einstehen, der für alle offen ist und Frauen nicht durch Gesänge, Sprüche oder dem Erzwingen von sexuellen Handlungen herabwürdigt und demütigt. Lasst uns über sexualisierte Gewalt reden und das Thema nicht länger verschweigen, denn nur so können wir etwas ändern.

Netzwerk Erinnerungsarbeit im Juni 2021

 

Was wir uns vom Wahlkampf wünschen – eine gemeinsame Erklärung

In wenigen Wochen stehen die Bundestagswahlen an und Millionen von Wahlberechtigten dürfen Kreuzchen machen und werden dieser Pflicht hoffentlich auch wieder nachkommen. Die Wochen und Monate vor einer Wahl sind für Fans phasenweise doch sehr anstrengend, da gerade der Fußball gerne für politische Stimmungsmache genutzt wird und die Politiker und Politikerinnen gerne etwas mehr Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Kurz vor der ab dem 16. Juni stattfindenden Innenministerkonferenz fordert der erste Minister auch einmal wieder personalisierte Tickets für Fußballfans, um straffällig gewordene Fans von Spielen ausschließen zu können, als ob es nicht schon längst Stadion- und Betretungsverbote gäbe.

Das wir als Fan- und Mitgliederabteilung, als sozialpädagogisches Fanprojekt und als organisierte Fußballfans auf diese Art des Wahlkampfes keine Lust haben, ist sicherlich bekannt und von daher wollen wir den Spieß doch einmal umdrehen und ein paar Hilfestellungen geben, was wir uns für Aussagen im Wahlkampf wünschen, wenn man sich schon des Fußballs als Plattform für den Wahlkampf bedient.

„Es ist uns zu einfach nur gegen Äußerungen von Politikern zu argumentieren und wollen mit unseren Punkten eine Hilfestellung anbieten und Themen adressieren, die im Wahlkampf gerne eine ernstgemeinte Relevanz haben können und zu diesen wir gerne jederzeit zum Dialog bereit stehen“ so Christian Bieberstein, stellvertretender Abteilungsleiter des HSV Supporters Club.

 

  1. Politiker fordern Abschaffung von Stadionverboten, sofern keine rechtsmäßige Verurteilung erfolgt

 

  1. Politiker fordern eine Versachlichung bei der Debatte um Gewalt bei Sport- und Großveranstaltungen und rufen auch die Gewerkschaften der Polizei zur sachlichen Debatte auf

 

  1. Politiker fordern eine Nachhaltige und unabhängige Ombudsstelle für Fußballfans.

 

  1. Politiker fordern Verbände auf, den Fandialog deutlich mehr auf Augenhöhe zu führen und zusammen mit den Fans & Mitgliedern an einer nachhaltigen Verbesserung des Profifußballs zu arbeiten

 

  1. Politiker fordern eine deutliche Erhöhung der Gelder für Jugend- und Sozialarbeit bei Fanprojekten und die Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

 

  1. Endlich Klarheit, dass Polizeieinsätze nicht von Vereinen bezahlt werden

 

  1. Keine Personalisierung von Tickets und freie Wahl der Reisewege für Gästefans

 

  1. Politiker fordern unabhängige Stelle unter Einbindung von Vereinen und Fanbeauftragten für die Beurteilung von Polizeieinsätzen in Höhe und Anzahl der Eingesetzten Beamten und Beamtinnen

 

  1. Politiker fordern die Abschaffung der unrechtsmäßigen und intransparenten „Datei Gewalttäter Sport“

Förderkreis Nordtribüne e.V.

HSV-Fanprojekt

HSV Supporters Club / Abteilung fördernde Mitglieder

 

 

Neues Fanzine aus der Fanszene

Passend im Fußball-Corona-Loch, kommt ein neues Fanzine aus der HSV-Fanszene. Unabhängig von bestehenden Veröffentlichungen und Gruppenstrukturen haben sich Einzelpersonen zusammen geschlossen, um beim HSV ein Druckerzeugnis entstehen zu lassen, was unregelmäßig erscheint, dafür aber qualitativ hochwertig ist. Sowohl die Texte, als auch die Fotos und Illustrationen sind wohlüberlegt, schließlich hatten wir auch zwei Jahre Zeit dafür. Die Themenvielfalt ist groß: Drogen in der Fanszene, ein aktueller Blick auf Repressionen in Fußball-Deutschland, Spielberichte der etwas anderen Art, exklusive Fotostrecken, Portraits von Bekannten aus dem HSV-Umfeld und einiges mehr. Das Titelthema der ersten Ausgabe ist übrigens einem Jubiläum geschuldet: 20 Jahre Nordtribüne Hamburg.

Also – holt euch das Ding und damit ein bisschen von dem Fußball zu euch nach Hause, den wir gerade missen müssen. Kritik, Leserbriefe, Anregungen und Bestellungen (5 Euro plus Versand) unter bahrenfelderanzeiger@mail.de.

Eure BAZ-Redaktion

Update:

Die erste Ausgabe des Bahrenfelder Anzeigers ist komplett vergriffen.