Archiv des Autors: JoHH

Was wir uns vom Wahlkampf wünschen – eine gemeinsame Erklärung

In wenigen Wochen stehen die Bundestagswahlen an und Millionen von Wahlberechtigten dürfen Kreuzchen machen und werden dieser Pflicht hoffentlich auch wieder nachkommen. Die Wochen und Monate vor einer Wahl sind für Fans phasenweise doch sehr anstrengend, da gerade der Fußball gerne für politische Stimmungsmache genutzt wird und die Politiker und Politikerinnen gerne etwas mehr Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Kurz vor der ab dem 16. Juni stattfindenden Innenministerkonferenz fordert der erste Minister auch einmal wieder personalisierte Tickets für Fußballfans, um straffällig gewordene Fans von Spielen ausschließen zu können, als ob es nicht schon längst Stadion- und Betretungsverbote gäbe.

Das wir als Fan- und Mitgliederabteilung, als sozialpädagogisches Fanprojekt und als organisierte Fußballfans auf diese Art des Wahlkampfes keine Lust haben, ist sicherlich bekannt und von daher wollen wir den Spieß doch einmal umdrehen und ein paar Hilfestellungen geben, was wir uns für Aussagen im Wahlkampf wünschen, wenn man sich schon des Fußballs als Plattform für den Wahlkampf bedient.

„Es ist uns zu einfach nur gegen Äußerungen von Politikern zu argumentieren und wollen mit unseren Punkten eine Hilfestellung anbieten und Themen adressieren, die im Wahlkampf gerne eine ernstgemeinte Relevanz haben können und zu diesen wir gerne jederzeit zum Dialog bereit stehen“ so Christian Bieberstein, stellvertretender Abteilungsleiter des HSV Supporters Club.

 

  1. Politiker fordern Abschaffung von Stadionverboten, sofern keine rechtsmäßige Verurteilung erfolgt

 

  1. Politiker fordern eine Versachlichung bei der Debatte um Gewalt bei Sport- und Großveranstaltungen und rufen auch die Gewerkschaften der Polizei zur sachlichen Debatte auf

 

  1. Politiker fordern eine Nachhaltige und unabhängige Ombudsstelle für Fußballfans.

 

  1. Politiker fordern Verbände auf, den Fandialog deutlich mehr auf Augenhöhe zu führen und zusammen mit den Fans & Mitgliedern an einer nachhaltigen Verbesserung des Profifußballs zu arbeiten

 

  1. Politiker fordern eine deutliche Erhöhung der Gelder für Jugend- und Sozialarbeit bei Fanprojekten und die Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

 

  1. Endlich Klarheit, dass Polizeieinsätze nicht von Vereinen bezahlt werden

 

  1. Keine Personalisierung von Tickets und freie Wahl der Reisewege für Gästefans

 

  1. Politiker fordern unabhängige Stelle unter Einbindung von Vereinen und Fanbeauftragten für die Beurteilung von Polizeieinsätzen in Höhe und Anzahl der Eingesetzten Beamten und Beamtinnen

 

  1. Politiker fordern die Abschaffung der unrechtsmäßigen und intransparenten „Datei Gewalttäter Sport“

Förderkreis Nordtribüne e.V.

HSV-Fanprojekt

HSV Supporters Club / Abteilung fördernde Mitglieder

 

 

Neues Fanzine aus der Fanszene

Passend im Fußball-Corona-Loch, kommt ein neues Fanzine aus der HSV-Fanszene. Unabhängig von bestehenden Veröffentlichungen und Gruppenstrukturen haben sich Einzelpersonen zusammen geschlossen, um beim HSV ein Druckerzeugnis entstehen zu lassen, was unregelmäßig erscheint, dafür aber qualitativ hochwertig ist. Sowohl die Texte, als auch die Fotos und Illustrationen sind wohlüberlegt, schließlich hatten wir auch zwei Jahre Zeit dafür. Die Themenvielfalt ist groß: Drogen in der Fanszene, ein aktueller Blick auf Repressionen in Fußball-Deutschland, Spielberichte der etwas anderen Art, exklusive Fotostrecken, Portraits von Bekannten aus dem HSV-Umfeld und einiges mehr. Das Titelthema der ersten Ausgabe ist übrigens einem Jubiläum geschuldet: 20 Jahre Nordtribüne Hamburg.

Also – holt euch das Ding und damit ein bisschen von dem Fußball zu euch nach Hause, den wir gerade missen müssen. Kritik, Leserbriefe, Anregungen und Bestellungen (5 Euro plus Versand) unter bahrenfelderanzeiger@mail.de.

Eure BAZ-Redaktion

Update:

Die erste Ausgabe des Bahrenfelder Anzeigers ist komplett vergriffen.

Zeit für Veränderungen


Als Antwort auf die aktuellen Entwicklungen und Diskussionen im Profifußball und beim HSV schlossen sich verschiedene HSV-Fans zusammen und gründeten die Initiative UNSER HSV.

Da Einige vom Förderkreis Nordtribüne e.V. auch Teil der Initiative sind, unterstützen wir dieses Anliegen mit der Veröffentlichung des ersten Ankündigungstextes:


ZEIT FÜR VERÄNDERUNGEN

Auch beim HSV

Der Fußball steht an einem Scheideweg und das nicht nur durch die Auswirkungen der weltweiten Pandemie, welche uns alle seit nun über einem Jahr zu einer gewissen Passivität zwingt. Zudem wurden in den vergangenen Monaten auch die Schwächen des „System Fußball“ deutlich ans Tageslicht getragen und die Rufe nach einer nachhaltigen Veränderung werden klarer, intensiver und lauter.

Nicht nur zuletzt, als die selbsternannten „Super-Bayern“ die Sonderrolle des Profifußballs ad absurdum führten und mit einem Marathon an Negativschlagzeilen für reines Kopfschütteln sorgten, wurde deutlich, wie sehr sich der Fußball mittlerweile von der Basis entfernt hat. Fußballfans in ganz Deutschland mussten in den letzten Jahren bereits viele Negativentwicklungen hinnehmen, die mit den Grundprinzipien des Fußballs und der Fankultur wenig bis gar nicht im Einklang stehen. Doch auch außerhalb Deutschlands ist der Fußball seit Jahren auf bestem Wege, sich von der Gesellschaft zu entfremden. Auf internationaler Ebene ist die WM Vergabe nach Katar ein prädestiniertes Beispiel, dass es im Fußball längst nicht mehr um Fans, sondern um das liebe Geld geht. Dass neben Korruption und Menschenrechtsverletzungen selbst der Verlust tausender Menschenleben kein Umdenken herbeiführt, lässt viele nur noch fassungslos dastehen.

Hierzulande kündigte die DFL vor gut einem Jahr „nachhaltige Veränderungen“ und eine verstärkte „Demut“ an. Doch statt der Vereine und Verbände waren es bezeichnenderweise wieder einmal die Fans, die sich intensiv mit möglichen Veränderungen beschäftigten und im Sommer letzten Jahres ein Bündnis für basisnahen, nachhaltigen sowie zeitgemäßen Fußball gründeten (https://unserfussball.jetzt/) und konkrete Vorschläge erarbeiteten (https://zukunft-profifussball.de/). Im September letzten Jahres kündigte die DFL die Einberufung der „Taskforce Zukunft Profifußball“ an, deren Ergebnisse im Februar 2021 veröffentlicht wurden (https://www.dfl.de/de/aktuelles/ergebnisbericht-taskforce-zukunft-profifussball/). Doch statt konkreten Maßnahmen wurden lediglich 17 Handlungsempfehlungen veröffentlicht, bei denen der Konjunktiv mehr Beachtung fand als messbare Parameter.

Der Fußball braucht Veränderungen. Es muss Schluss sein mit leeren Worten und Luftschlössern. Es braucht mutige Entscheidungen und neue Denkweisen – auch bei unserem HSV. Der Förderkreis Nordtribüne e.V. hat sich bereits im November 2020 mit einer umfangreichen sowie detaillierten Bestandsaufnahme geäußert und eine Reflektion bisheriger Handlungen und Betrachtungsweisen angeregt (http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/page/2/). Der Rücktritt des e.V.-Präsidiums vor gut einem Monat könnte zum Stein des Anstoßes werden, die Werte von unserfussball.jetzt, die Reformvorschläge der Initiative Zukunft Profifußball sowie die Handlungsempfehlungen der DFL auf den HSV zu projizieren und Möglichkeiten der Neuausrichtung zu erörtern.

Wir möchten mit Euch allen gemeinsam den Schrei nach Veränderung, der unüberhörbar in der Gesellschaft ist, auf eine sachliche Ebene bringen und mit Inhalten füllen. Zusammen gilt es, die vielen verschiedenen Ansätze zu diskutieren und mögliche Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Da die anhaltende Pandemie unsere Präsenz auf der Nordtribüne im Volkspark oder in den Gästekurven der Republik derzeit nicht möglich macht und der Austausch auf Busparkplätzen oder der Klönschnack am Bierstand momentan wegfallen, starten wir mit dem digitalen Dialog. Wir werden dafür den Austausch mit Euch suchen und Möglichkeiten der Partizipation bieten. Wir melden uns an anderer Stelle mit weiteren Informationen.

Auch in schweren Zeiten gilt es: Bringt Euch ein!

Gemeinsam für den HSV. Unseren HSV.

Initiative “UNSER HSV“ im März 2021

Statement von Football Supporters Europe gegen eine europäische Super League

 

Klub-WM, Super Champions League, European Premier Leaguer, Super League – dafür, dass in Zukunft die reichsten Vereine in einer geschlossenen Liga gegeneinander spielen, gibt es verschiedene Namen und Pläne. In diesen Tagen wird vor allem die sogenannte Super League diskutiert, ein Modell aus 20 europäischen Top-Vereinen, wobei 15 dieser Vereine von Beginn an gesetzt sind. Die Chance oder die Gefahr auf- oder abzusteigen und die Möglichkeit sich für Europa zu qualifizieren, zeichnen das Ligasystem des Fußballs aus. Wir sind nun aktuell von einer Europateilnahme so weit entfernt wie noch nie, unser Gewinn des Europokals der Landesmeister 1983 ist lange her. Wir sind realistisch, und dennoch können wir träumen, weil unser Ligasystem Träume zulässt.

Schon heute ist der nationale Wettbewerb durch die Einnahmen aus der Champions League einseitig und langweilig geworden. Wer würde denn ernsthaft wetten, dass der nächste deutsche Meister nicht FC Bayern heißt. Eine Super League verschärft dieses Problem und würde unvorstellbare Einnahmen für die teilnehmenden Vereine bedeuten und den nationalen Wettbewerb noch unattraktiver machen.

Ja, auch wir wollen Veränderungen im Fußball. Aber wir wollen Veränderungen, die von der Basis, den Fans, ausgehen, und nicht von Investoren und Funktionären. Dass die FIFA sich offiziell gegen eine Einführung der Super League ausgesprochen hat und inoffizielle Stimmen berichten, dass sie selber an Plänen beteiligt ist, zeigt das wahre Gesicht des Projekts: Es geht hier nicht darum, den Fußball attraktiver und besser zu machen, sondern darum, dass einige wenige Männer mehr Geld an ihm verdienen.

Wir sind gegen einen Fußball, von dem nur einige wenige profitieren, wir sind für einen Fußball für Alle. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg – die Super League ist kein Teil davon!

 

Mehr dazu findet ihr HIER im Statement von FSE.

Statement des Netzwerkes Erinnerungsarbeit über die Partei „Der III. Weg“

 

Nachfolgend dokumentieren wir das Statement des Netzwerkes Erinnerungsarbeit zu der Interviewreihe der rechtsextremistischen Kleinpartei „Der III. Weg“.

„Stimmen der Kurve“? – Nazi-Propaganda bleibt Nazi-Propaganda

Seit Mitte Oktober veröffentlicht die neonazistische Partei „Der III. Weg“ auf ihrer Homepage eine Interviewreihe mit dem Titel „Stimmen der Kurve“. In dieser Reihe interviewt die Partei (vermeintliche) Personen aus unterschiedlichen Fußballfanszenen zur Situation in ihrer jeweiligen Szene und zu ihren persönlichen Einschätzungen über rechte Einflussnahme im Fußball. Nachdem bisher Interviews mit Personen aus Bremen, Magdeburg, Stuttgart, Kaiserslautern, Braunschweig, Halle, Berlin, Magdeburg, Chemnitz und von Dynamo Kiew veröffentlicht wurden, lud die Neonazi-Partei am letzten Freitag (22.01.2021) ein Interview über die HSV-Fanszene hoch. Wie in allen bisherigen Interviews beklagt sich der interviewte „Frank“ unter anderem über das Zurückdrängen rechter Strukturen in seiner Szene. Wir wollen diesen Versuch einer rechten Organisation, im Fußball Fuß zu fassen und dabei unseren HSV für ihre Zwecke zu missbrauchen, nicht unkommentiert lassen und diese Interviewreihe als das benennen, was es ist: Nazi-Propaganda.

Die Partei „Der III. Weg“ gründete sich im September 2018 in Süddeutschland. An der Gründung waren vor allem ehemalige NPD-Funktionäre sowie Teile des ein Jahr später verbotenen „Freies Netz Süd“, einem Netzwerk von freien Kameradschaften in Bayern, beteiligt. Die Partei ist bisher vor allem in Süd- und Ostdeutschland aktiv. Die Mitglieder verstehen sich selbst mehr als militante Nazi-Elite, denn als Nazi-Partei, die möglichst viele Mitglieder und Stimmen von Wähler:innen gewinnen will. Ihre Positionen sind rassistisch, völkisch und antisemitisch. Die parteiinterne „Arbeitsgruppe Körper & Geist“ bietet vor allem Kampfsporttrainings an. Bisher konnte „Der III. Weg“ in Hamburg noch nicht Fuß fassen, auch wenn es sicherlich in Zukunft Versuche geben wird, die Strukturen auch auf Norddeutschland auszuweiten. Hier gilt es wachsam zu sein und diese Handlungsspielräume immer und überall möglichst klein zu halten.

Nachdem der bayerische Fußballverein Türkgücü München 2019 in die dritte Liga aufstieg, gab es gegen den Verein immer wieder Proteste von rechts. Vor allem „Der III. Weg“ positionierte sich mit seiner „Türkgücü München nicht willkommen“-Kampagne und etlichen Aufklebern sowie dem Zeigen von Bannern in Städten, in denen Türkgücü danach gespielt hat, deutlich. So scheint der Aufstieg von Türkgücü München für die Neonazi-Partei Anstoß gewesen zu sein, sich vermehrt mit dem Thema Fußball auseinanderzusetzen. Dabei gehen sie der Frage nach, ob die von rechts bisher propagierte Aussage „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“ überholt sei und sie fordern, „den Kampf um die Kurven“ zu führen. Auch wenn in vielen Fußballstandorten rechte Akteur:innen immer weniger offensiv auftreten können, sind deren Netzwerke im Fußball bis heute aktiv und reaktivierbar. Dies haben Demonstrationen wie HoGeSa in Köln im Oktober 2015, die Ausschreitungen in Chemnitz im August 2018 oder die Corona-Proteste wie im November 2020 in Leipzig deutlich gezeigt.

Wie ist die rechte Einflussnahme beim HSV einzuschätzen? Unsere Fanszene war in den 1980/1990er Jahren stark von rechtsoffenen bis rechten Positionen geprägt. Rassistische und antisemitische Äußerungen waren normal. Im Jahr 1985 waren rechte HSV-Fans an den Morden an Mehmet Kaymakcı (erschlagen in der Nacht vom 24. Juli zum 25. Juli in Hamburg-Langenhorn) und Ramazan Avcı (angegriffen am 21.12. in Hamburg-Eilbek, drei Tage später im Krankenhaus gestorben) beteiligt. Diese Morde sind in unserer Fanszene bis heute nicht aufgearbeitet worden. Trotzdem gibt es positive Veränderungen festzustellen: Immer mehr Gruppen und Fans positionierten sich gegen rechts und setzen sich für einen Fußball ein, der offen für alle ist, egal wo man herkommt, wen man liebt oder wie man aussieht. Allerdings sind die Nordtribüne und unser Verein groß und klar ist auch, dass es dort weiterhin Leute gibt, die rassistische oder anders diskriminierende Positionen teilen. Deswegen gilt es für alle HSV-Fans weiterhin wachsam zu sein – gerade auch in Zeiten geschlossener Stadien – und uns gegen solche plumpen Versuche, den Fußball und unseren HSV für rechte Propaganda zu missbrauchen, zu wehren.

Wir, der Förderkreis Nordtribüne e.V., stehen voll und ganz hinter dem Statement des Netzwerkes Erinnerungsarbeit. Auf unserer Tribüne ist kein Platz für rechtes Gedankengut!

Für eine bunte, laute und vielfältige Nordtribüne!