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Statement der aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Moin Nordtribüne,

die Pandemie, die unser Leben über schon anderthalb Jahre fest im Griff hat, ist noch immer nicht vollständig überwunden. Und auch, wenn wir das Engagement unseres HSV für einen Stadionbesuch, wie wir ihn aus vergangenen Tagen kennen, sehr begrüßen, wird es seitens der aktiven Fanszene weiterhin keinen organisierten Support geben.

Die Gründe für unsere Entscheidung sind vielfältig. Fakt ist aber, dass ein Stadionbesuch unter den aktuellen Umständen noch nicht für alle von uns vorstellbar ist. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal klarstellen, dass für uns seit Beginn der Pandemie der Schutz unserer Mitmenschen immer an erster Stelle steht. Versuchen, diese Entscheidung als irgendwie geartete „Solidarisierung“ mit Verschwörungstheoretikern und Coronaleugnern umzudeuten, werden wir daher keinerlei Beachtung schenken.

Wir werden auch in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin unsere Optionen ausloten und hoffen schon bald wieder als geeinte und lautstarke Nordtribüne auftreten zu können.

Die aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Stolpersteine Rothenbaum

Moin Nordtribüne, moin HSV-Fans,

an dieser Stelle möchten wir euch einmal auf die heute gestartete Spendenaktion der Gruppe Forza Hamburg hinweisen. Gesammelt wird für die Stolpersteine von Opfern des NS-Regimes rund um das alte Stadion am Rothenbaum. Weitere Informationen über die Spendenaktion findet ihr im folgenden Flyer. Den weiteren Verlauf der Spendenaktion könnt ihr zudem auf forza-hamburg.de verfolgen.

Freiraum Stadion erhalten – Gesichtserkennung stoppen!

 

Ein ausverkauftes Haus vor 57.000 Zuschauenden, strahlender Sonnenschein und ein grandios erspielter 3:0-Heimsieg. Noch immer scheint dieses Szenario in weitester Ferne zu liegen.

Doch selbst wenn Fußballfans wie gewohnt in die Stadien zurückkehren können, um ihre Vereine wieder wie früher spielen zu sehen, könnten viele von ihnen keine Eintrittskarte mehr benötigen. Mehrere Vereine in den USA, darunter der Los Angeles Football Club, testen bereits heute Gesichtserkennungstechnologien in Stadien. Die Idee dahinter ist, Fans durch die Authentifizierung ihrer Gesichter Einlass zu gewähren, um den Prozess während der Corona-Pandemie so berührungslos wie möglich zu gestalten (https://www.wsj.com/articles/facial-recognitions-next-big-play-the-sports-stadium-11596290400). Neben einem vermeintlich reibungslosen Ablauf des Einlasses steht beim Einsatz dieser fortschrittlichen Technologie allerdings vor allem eine umfassende Überwachung des Stadionbereichs und damit auch der Stadionbesucherinnen und Stadionbesucher im Mittelpunkt. Es ist also Vorsicht geboten.

Ausgangspunkt einer solchen Art der Überwachung ist dabei die (digitale) Auswertung sog. biometrischer Daten, also von Daten, die unveränderbar mit unserem Aussehen oder auch unserer Gestik zusammenhängen, zum Zwecke der Identifikation von Personen. Klassische biometrische Merkmale sind neben Fingerabdrücken unsere Gesichtsform, aber auch vermeintlich nichtssagende Handlungen wie zum Beispiel unser Gang. Zusammengefasst werden diese Überwachungsmethoden unter dem Stichwort der biometrischen Überwachung.

Dass diese Praxis keinesfalls nur in den Vereinigten Staaten eingesetzt wird, sondern auch in Europa schon längst etabliert ist, zeigt ein Blick nach Ungarn. Wer beispielsweise ein Spiel vom ehemaligen Thomas Doll-Club Ferencvaros sehen möchte, muss zunächst eine Fankarte beantragen. Für diese reicht es aber nicht nur Namen, Adresse und Geburtsdatum anzugeben. Auch Gesichtsfotos und der Venendruck der Handfläche werden hierfür erfasst. Die Handfläche darf dann zudem bei jedem Stadionbesuch erneut brav in den Scanner gehalten werden. Was offiziell Hygiene und Sicherheit dient, wird so zur perfekten Datensammlung (https://tasz.hu/cikkek/szuksegtelenul-es-aranytalanul-korlatoz-a-venaszkenner). Dass der Verein auf diese Weise mehr Daten über die Fans sammelt als jede Versicherung oder gar die Polizei, scheint die Verantwortlichen von nichts abzuhalten. Was erlaubt ist, wird gemacht!

Auch in Großbritannien werden Fans mithilfe von biometrischer Überwachung zunehmend intensiver kontrolliert. Beim südwalisischen Derby zwischen Cardiff und Swansea fuhr die Polizei sogar Transporter auf, an denen die Fans vor den Stadien ihre Gesichter scannen lassen sollten. Die Reaktion war deutlich: Hunderte zogen sich Schals und Masken ins Gesicht, um nicht für immer in den Archiven der Staatsmacht zu landen, bei denen niemand so genau weiß, wofür sie eigentlich verwendet werden. Auch der FC Metz in Frankreich experimentiert zum Ärger seiner Fans mit Gesichtserkennungstechnologien, um unliebsamen Personen den Zugang zum Stadion verweigern zu können (https://www.thestar.com.my/sport/football/2021/02/19/french-watchdog-warns-sports-club-about-unlawful-use-of-facial-recognition-technology).

Bei Brøndby IF in Dänemark lobt man sich dafür, die Technologie von Panasonic zwar einzusetzen, aber nur die Bilder von Menschen zu speichern, die nicht ins Stadion dürfen. Persönlichkeitsrechte scheinen also nur so lange zu gelten, wie es den jeweiligen Vereinsverantwortlichen lieb ist (https://business.panasonic.co.uk/security-solutions/panasonic-facial-recognition-improves-fan-safety-at-danish-football-stadium). Einer willkürlichen Vorgehensweise gegenüber Fußballfans ist – mal wieder – Tür und Tor geöffnet.

Doch es geht noch eine Nummer krasser. In Amsterdam wurde im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft ein Kooperationsprojekt mit dem Titel „Digitale Perimeter“ unterzeichnet. Hierbei wird ein sogenannter „digitaler Sicherheitsring“ erschaffen, der einmal um die ganze Johan Cruijff Arena reicht. Mit Kameras und Sensoren können dann Gesichter abgeglichen, Menschen gezielt lokalisiert und per Bodyscan auf (verbotene) Gegenstände gecheckt werden. Damit wird aus dem virtuellen plötzlich ein reeller Zaun, in dessen Grenzen Menschen wie Glas durchleuchtet werden können (https://www.amsterdam.nl/innovatie/digitalisering-technologie/digitale-perimeter/). Ein Stadionerlebnis nach unseren Vorstellungen, das Fans Räume zum Ausleben ihrer Kultur lässt und sie nicht unter Generalverdacht stellt, wird so  unmöglich.

Der Wahnsinn ist dann aber tatsächlich, dass die eingesetzten Techniken nicht einmal ansatzweise ausgereift sind. Als wäre es nicht bereits schlimm genug, wahllos Gesichter unschuldiger Bürgerinnen und Bürger zu sammeln, kommt eine Studie der Universität Essex zu dem Ergebnis, dass die eingesetzte Kameratechnik bei sechs Versuchen gerade einmal in 19 % der Fälle erfolgreich war (http://www.lac.qmul.ac.uk/our-legal-blog/items/football-supporters-recognising-the-dangers-of-facial-recognition-.html). Eine ganz schön dünne Faktenlage, um Menschen Straftaten zuzuordnen und diese beweisen zu wollen.

Zudem steht immer wieder auch der Vorwurf des sogenannten Racial Profiling im Raum. Da die eingesetzte Software immer noch von Menschenhand programmiert und entwickelt wird, spiegelt sich beim Einsatz dieser immer auch das Weltbild der jeweiligen Programmiererinnen und Programmierer wider. Waren Menschen mit rassistischem Weltbild am Werk, wird diese Software also automatisch ebenfalls rassistische Denkmuster reproduzieren (https://netzpolitik.org/2020/automatisierte-diskriminierung-twitter-prueft-rassismus-in-der-bildervorschau/).

Was die Fahndung mit Gesichtserkennungssoftware und Presse bedeutet, durften insbesondere die Menschen, die sich an den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg im Jahr 2017 beteiligten, erfahren. Doch auch nach dem letzten HSV-Spiel der Saison 2017/18, das den Abstieg besiegelte, fahndete die Hamburger Polizei bereits wochenlang mit Großaufnahmen in den Medien nach angeblichen „Gewalttätern“. Der Einsatz einer Gesichtserkennungssoftware bei der Fahndung nach Fußballfans scheint somit der nächste absehbare Schritt. Während kriminelle Steuerbetrüger in Hamburg vom Bürgermeister hofiert wurden, werden Fußballfans, die lediglich eine Fackel in der Hand gehabt haben sollen, wochenlang durch den Boulevard gezogen. Dass dabei nicht nur ein vollkommen falsches Bild der tatsächlichen „Straf“-Tat entsteht, sondern auch Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, Bekannte und Familien die Fußballfans als vermeintliche Kriminelle in der Zeitung sehen, wird dabei billigend in Kauf genommen.

Auch wenn die Hamburger Polizei angibt, die im Rahmen der G20-Proteste angelegte biometrische Datenbank gelöscht zu haben, steht die Technologie für diese Vorgehensweise weiterhin zur Verfügung (https://www.golem.de/news/gesichtserkennung-hamburger-polizei-loescht-gesichtsdatenbank-2005-148780.html). Unter diesen Umständen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch beim nächsten Stadtderby die Kurven mit Gesichtserkennungssoftware ausgewertet werden.

Im Zuge der Pandemie wurden schon nach der ersten Öffnung der Stadien starke Einschränkungen der Fanfreiheit umgesetzt. Tickets wurden personalisiert, um die Nachverfolgung von Corona-Infizierten zu erleichtern. Sicherlich sinnvoll, dennoch handelt es sich um eine Maßnahme, die, sobald die Pandemie eingedämmt ist, sofort beendet werden muss. Unsere Befürchtung ist allerdings, dass Ligen und Klubs in ganz Europa unter dem Vorwand von Pandemiemaßnahmen und Sicherheit weiter an Konzepten basteln, Fans auszuleuchten und sich an ihren Persönlichkeitsrechten zu bedienen. Das wollen wir verhindern.

Ein Verbot einer solchen biometrischen Massenüberwachung ist daher auch für uns als Fußballfans elementar. Es hilft aber auch allen anderen, die die Freiheit in öffentlichen Räumen und damit einen Eckpfeiler der Demokratie sichern möchten.

Die Kampagne #ReclaimYourFace hat deshalb eine große Petition in ganz Europa gestartet. Erreicht diese bis zum Stichtag im Jahr 2022 die Summe von einer Million Stimmen, muss sich die Europäische Kommission von Gesetzes wegen mit dem Thema befassen (https://reclaimyourface.eu/wp-content/uploads/2021/02/Supporting-and-partnering-with-the-Reclaim-Your-Face-campaign_v3.pdf). Das Ganze versackt also nicht in irgendwelchen Schubladen, sondern wird auf größtmöglicher Bühne politisch thematisiert.

Wir als Fanhilfe Nordtribüne unterstützen das Anliegen und fordern alle HSV-Fans und weitere Fußballfans in Deutschland auf, die Petition zu unterschreiben. Für die Garantie von Grundrechten, für den Freiraum Stadion, für den Erhalt der Fankultur!

Hier könnt ihr die Petition von #ReclaimYourFace unterzeichnen:

https://reclaimyourface.eu/

Fanhilfe Nordtribüne im August 2021

Gemeinsam die Betroffenen der Flutkatastrophe unterstützen

In den letzten Tagen wurde uns wieder einmal bewusst, wie unwichtig Fußball sein kann und wie wichtig Solidarität ist. Viele Menschen haben in den letzten Tagen nicht nur enorme materielle Verluste erlitten, sondern auch geliebte Menschen verloren. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei ihnen und wir wünschen allen Betroffenen viel Kraft.

Solidarität und Hilfestellung können Kraft geben und von daher rufen wir gemeinsam dazu auf, Hilfsbündnisse wie das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe und Aktion Deutschland Hilft mit Spenden zu unterstützen. Dort sind bereits entsprechende Strukturen vorhanden, damit die Hilfe auch dort ankommt, wo diese gerade am dringendsten benötigt wird.

Gleichzeitig wollen wir allen Helferinnen und Helfern, die gerade ehrenamtlich und unermüdlich in den betroffenen Gebieten helfen, unsere tiefste Dankbarkeit aussprechen.

Dieser Dank gilt auch den zahlreichen Initiativen von HSV Fans aus den Regionen, die auf eigene Faust bereits Spenden sammeln und direkt Unterstützung angeboten haben. Sollte auch Euer Fanclub Aktionen ins Leben gerufen haben, welche wir unterstützen können, dann meldet Euch gerne unter supporters@hsv.de bei uns.

HSV e.V.

HSV Supporters Club

HSV-Fanprojekt

HSV Bereich Fankultur

Förderkreis Nordtribüne e.V.

im Juli 2021

Statement der aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Moin HSV-Fans,

eine weitere Saison in der wohl spannendsten 2. Bundesliga aller Zeiten liegt unmittelbar vor uns. Auch wegen des schmerzhaften Ausgangs der letzten Spielzeit wollen wir als aktive Fanszene ein paar Worte an Euch richten, um geschlossen hinter der Mannschaft zu stehen, sobald der Ball wieder rollt.

Wir wollen an dieser Stelle keine Zweifel aufkommen lassen, dass für uns in dieser Spielzeit allein der Einsatz für unsere Stadt und unseren Verein an erster Stelle steht. Der sportliche Erfolg im Sinne eines Aufstiegs in die Bundesliga bleiben für uns nach den zahlreichen Umbrüchen der vergangenen Jahre zweitrangig. Gerade weil der Boulevard auch in diesem Jahr keine Gelegenheit auslassen wird, den Aufstieg als Ziel zu benennen, ist es dabei auch unsere Pflicht, mit der sportlichen Erwartungshaltung auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und der jungen Mannschaft nicht eine noch schwerere Last aufzubürden.
Wir wollen vielmehr endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die 90 Minuten und 34 Spiele lang zeigt, dass sie stolz darauf ist, für unseren Hamburger Sport-Verein auf dem Rasen zu stehen. Nur das zählt am Ende!

Nach den enttäuschenden Auftritten in den letzten Spielzeiten erwarten wir daher vor allem, dass wir in diesem Jahr auch in sportlicher Hinsicht wieder als Nummer Eins der Stadt aus der Saison gehen. Mit den mutlosen Auftritten in den beiden wichtigsten Spielen der Saison muss endlich Schluss sein. Es ist daher aber auch unsere Aufgabe, in der Stadt eine weit über die aktive Fanszene hinausgehende blau-weiß-schwarze Euphorie zu erzeugen, die unsere Mannschaft durch derartig wichtige Spiele trägt.
Zudem steht außer Frage, dass wir auch gegen die Hamburg-Hasser von der Weser zwei Auftritte erwarten, die keine Zweifel daran lassen, dass man den Platz als Sieger verlassen will. Nachdem man sich dort in den letzten Jahren wohl etwas zu sehr in der Schadenfreude über unser sportliches Abschneiden gesuhlt hat, können wir in dieser Spielzeit endlich wieder zeigen, dass es – wie schon die Terminierung des ersten Spieltags zeigt – im Norden nur einen relevanten Verein gibt.

Auch wenn wir als aktive Fanszene erst wieder im Stadion auftreten werden, wenn keinerlei pandemiebedingte Beschränkungen unseren Stadionalltag beeinträchtigen, werden wir auch außerhalb der Stadien unser Bestes geben, die Mannschaft zu unterstützen, um diese Spielzeit so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Der Mannschaft haben wir in einem persönlichen Gespräch bereits unseren Rückhalt ausgesprochen und werden diesen Weg gemeinsam bis zum Schluss gehen.

Gemeinsam für Stadt und Verein. Auf geht’s HSV!

Die aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg

Sexualisierte Gewalt beim HSV – Wir wollen nicht länger wegschauen!

Folgend dokumentieren wir den Text des Netzwerks Erinnerungsarbeit über sexualisierte Gewalt beim HSV.

Hand am Arsch, Sprüche beim Bierholen, in den Weg stellen im Sonderzug, anzügliche Nachrichten per Whatsapp, Vergewaltigungen verharmlosende Gesänge… Die Formen sexualisierter Gewalt in den Fußballfanszenen und auch in unserer Szene sind vielfältig. Das, was ihnen unter anderem zugrunde liegt, ist eindeutig: Sexismus.

Sexismus meint die Abwertung aufgrund des zugeschriebenen Geschlechts. Sexismus kann sich, wie andere Formen der Diskriminierung und Ungleichbehandlung auch, in verschiedensten Formen zeigen, unter anderem als sogenannte sexualisierte Gewalt.

Sexualisierte Gewalt sind Gesänge wie “Zieh ihn raus, steck ihn rein für den Verein”, Rufe wie “Spinne” und “Puppe” oder Aussagen wie “Na, hast die Alte letzte Woche noch weggemacht?” und “Na du schöne Frau, hast du nicht Lust mir einen zu blasen?”. Sexualisierte Gewalt meint auch, Frauen hinterher zu pfeifen, sie anzustarren oder ihnen vulgäre Sprüche zuzurufen. Immer wieder berichten z.B. Frauen im Fußball, dass sie Sprüche von Männern gedrückt bekommen, wenn sie alleine Bier holen gehen und nichts hören, wenn sie mit männlicher Begleitung unterwegs sind.
Sexualisierte Gewalt werden körperliche Handlungen genannt, die von der betroffenen Person nicht gewollt werden, wie beispielsweise die “Hand am Arsch”, wenn man einen vollen Block betritt oder durch den Sonderzug läuft, bis hin zur Vergewaltigung.
Gerade Frauen, die neu in eine Fußballfanszene kommen und sich erstmal noch “beweisen müssen”, erzählen später häufig, wie stark sie in der Zeit von sexualisierter Gewalt betroffen waren.

Auch bei unserem Verein und in unserer Fanszene ist sexualisierte Gewalt keine Ausnahmeerscheinung, sondern Normalität. Von sexualisierter Gewalt können auch Männer betroffen und die grenzüberschreitenden Personen auch weiblich sein, in den allermeisten Fällen allerdings sind die Täter Männer und die Betroffenen Frauen. Wir wollen nicht mehr länger wegschauen und nichts tun. Wir wollen das Problem der sexualisisierten Gewalt angehen und die Betroffenen unterstützen.

Wie können wir Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützen?
Zuallererst: Hört den Betroffenen zu und stellt das Gehörte nicht in Frage. Jede Person entscheidet selbst, wann ihre Grenzen verletzt wurden. Seid aufmerksam und lasst sexistische Sprüche nicht unkommentiert stehen. Wenn wir sexualisierte Gewalt beim HSV nicht länger hinnehmen wollen, brauchen wir ein Klima bei uns, was Sexisten keinen Raum gibt.

Was könnt ihr konkret als Männer beim HSV tun?
Unterstützt Frauen, wenn sie um Unterstützung bitten. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie ihr unterstützen könnt, fragt sie einfach. Apropos fragen, hinterfragt euch selber, ob ihr schon einmal übergriffig wart und was ihr bisher tut, um Frauen zu supporten. Informiert euch darüber, was sexualisierte Gewalt ist, wo sie beginnt und wie ein Umgang damit aussehen kann – nur so könnt ihr sie erkennen und wissen, wie ihr Betroffene unterstützen könnt. Sprecht auch mit Männern untereinander, und nicht nur mit Frauen, über das Thema und sagt auch dann etwas gegen sexistische Äußerungen, wenn ihr nur unter Männern seid. Habt die Frauen in euren Gruppen und Zusammenhängen auf dem Schirm und fragt sie, ob sie bei Aktionen und Fahrten dabei sein wollen. Ihr findet es sexistisch, wenn Frauen sich unter sich treffen, um sich so einen Schutzraum vor sexualisierter Gewalt zu schaffen? Fragt und hinterfragt euch lieber, wie in diesem Fall Wirkung und Ursache wirklich miteinander zusammenhängen. Denn allzu oft sitzt ihr in elitären, rein männlichen Runden zusammen. Diese Männerbündelei ist wiederum der Auslöser dafür, dass sich Frauen miteinander zusammenschließen

Und was könnt ihr als Frauen beim HSV tun?
Macht euch darüber bewusst, dass ihr nicht alleine mit euren Erfahrungen seid. Alle Frauen beim Fußball erleben verschiedene Formen sexualisierter Gewalt, auch wenn manche sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Am wichtigsten ist zu verstehen, dass ihr nicht Schuld daran seid, wenn ihr sexualisierte Gewalt erfahrt. Auch dann nicht, wenn ihr mit Minirock und hohen Schuhen ins Volksparkstadion kommt. Ihr könnt anziehen was ihr wollt, denn kein Outfit der Welt gibt jemand anderem das Recht, euch gegenüber Grenzen zu überschreiten. Auch unter den Frauen beim HSV passiert es viel zu häufig, dass abschätzig übereinander geredet wird, z.B., weil eine Frau sich angeblich zu weiblich für den Fußball anziehe. Hier kann eine solidarische Vernetzung unter den Frauen helfen. Im Februar 2020 gab es z.B. einen ersten Auswärtsbus von und mit Frauen zum Spiel nach Hannover und seitdem immer wieder verschiedene Vernetzungen unter Frauen beim HSV. Wenn ihr von sexualisierter Gewalt betroffen seid und Beratung braucht oder euch mehr zu dem Thema informieren wollt, dann gibt es verschiedene Stellen, an die ihr euch wenden könnt (siehe unten).

Sexismus und sexualisierte Gewalt im Fußball führen dazu, dass viele Frauen sich immer wieder unwohl im Stadion fühlen oder strukturell von bestimmten Posten im Fußball (Vorstand, Vorsänger, Trainer usw.) ausgeschlossen werden. Männer wiederum profitieren tagtäglich (häufig unbewusst) von sexistischen Zuständen im Fußball und in unserer Gesellschaft. Kein Wunder also, dass viele Männer kein Interesse daran haben, diese sexistischen Verhältnisse im Fußball zu verändern.

Sexismus ist kein Phänomen, was alleine auftritt, sondern es ist mit anderen Formen der Diskriminierung verschränkt. So sind z.B. queere Frauen oder Women of Color nicht nur Sexismus, sondern auch Queerfeindlichkeiten oder Rassismus ausgesetzt. Es macht also Sinn, die verschiedenen Formen von Diskriminierungen zusammen zu denken.

Lasst uns gemeinsam für einen HSV einstehen, der für alle offen ist und Frauen nicht durch Gesänge, Sprüche oder dem Erzwingen von sexuellen Handlungen herabwürdigt und demütigt. Lasst uns über sexualisierte Gewalt reden und das Thema nicht länger verschweigen, denn nur so können wir etwas ändern.

Netzwerk Erinnerungsarbeit im Juni 2021