Sexualisierte Gewalt beim HSV – Wir wollen nicht länger wegschauen!

Folgend dokumentieren wir den Text des Netzwerks Erinnerungsarbeit über sexualisierte Gewalt beim HSV.

Hand am Arsch, Sprüche beim Bierholen, in den Weg stellen im Sonderzug, anzügliche Nachrichten per Whatsapp, Vergewaltigungen verharmlosende Gesänge… Die Formen sexualisierter Gewalt in den Fußballfanszenen und auch in unserer Szene sind vielfältig. Das, was ihnen unter anderem zugrunde liegt, ist eindeutig: Sexismus.

Sexismus meint die Abwertung aufgrund des zugeschriebenen Geschlechts. Sexismus kann sich, wie andere Formen der Diskriminierung und Ungleichbehandlung auch, in verschiedensten Formen zeigen, unter anderem als sogenannte sexualisierte Gewalt.

Sexualisierte Gewalt sind Gesänge wie “Zieh ihn raus, steck ihn rein für den Verein”, Rufe wie “Spinne” und “Puppe” oder Aussagen wie “Na, hast die Alte letzte Woche noch weggemacht?” und “Na du schöne Frau, hast du nicht Lust mir einen zu blasen?”. Sexualisierte Gewalt meint auch, Frauen hinterher zu pfeifen, sie anzustarren oder ihnen vulgäre Sprüche zuzurufen. Immer wieder berichten z.B. Frauen im Fußball, dass sie Sprüche von Männern gedrückt bekommen, wenn sie alleine Bier holen gehen und nichts hören, wenn sie mit männlicher Begleitung unterwegs sind.
Sexualisierte Gewalt werden körperliche Handlungen genannt, die von der betroffenen Person nicht gewollt werden, wie beispielsweise die “Hand am Arsch”, wenn man einen vollen Block betritt oder durch den Sonderzug läuft, bis hin zur Vergewaltigung.
Gerade Frauen, die neu in eine Fußballfanszene kommen und sich erstmal noch “beweisen müssen”, erzählen später häufig, wie stark sie in der Zeit von sexualisierter Gewalt betroffen waren.

Auch bei unserem Verein und in unserer Fanszene ist sexualisierte Gewalt keine Ausnahmeerscheinung, sondern Normalität. Von sexualisierter Gewalt können auch Männer betroffen und die grenzüberschreitenden Personen auch weiblich sein, in den allermeisten Fällen allerdings sind die Täter Männer und die Betroffenen Frauen. Wir wollen nicht mehr länger wegschauen und nichts tun. Wir wollen das Problem der sexualisisierten Gewalt angehen und die Betroffenen unterstützen.

Wie können wir Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützen?
Zuallererst: Hört den Betroffenen zu und stellt das Gehörte nicht in Frage. Jede Person entscheidet selbst, wann ihre Grenzen verletzt wurden. Seid aufmerksam und lasst sexistische Sprüche nicht unkommentiert stehen. Wenn wir sexualisierte Gewalt beim HSV nicht länger hinnehmen wollen, brauchen wir ein Klima bei uns, was Sexisten keinen Raum gibt.

Was könnt ihr konkret als Männer beim HSV tun?
Unterstützt Frauen, wenn sie um Unterstützung bitten. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie ihr unterstützen könnt, fragt sie einfach. Apropos fragen, hinterfragt euch selber, ob ihr schon einmal übergriffig wart und was ihr bisher tut, um Frauen zu supporten. Informiert euch darüber, was sexualisierte Gewalt ist, wo sie beginnt und wie ein Umgang damit aussehen kann – nur so könnt ihr sie erkennen und wissen, wie ihr Betroffene unterstützen könnt. Sprecht auch mit Männern untereinander, und nicht nur mit Frauen, über das Thema und sagt auch dann etwas gegen sexistische Äußerungen, wenn ihr nur unter Männern seid. Habt die Frauen in euren Gruppen und Zusammenhängen auf dem Schirm und fragt sie, ob sie bei Aktionen und Fahrten dabei sein wollen. Ihr findet es sexistisch, wenn Frauen sich unter sich treffen, um sich so einen Schutzraum vor sexualisierter Gewalt zu schaffen? Fragt und hinterfragt euch lieber, wie in diesem Fall Wirkung und Ursache wirklich miteinander zusammenhängen. Denn allzu oft sitzt ihr in elitären, rein männlichen Runden zusammen. Diese Männerbündelei ist wiederum der Auslöser dafür, dass sich Frauen miteinander zusammenschließen

Und was könnt ihr als Frauen beim HSV tun?
Macht euch darüber bewusst, dass ihr nicht alleine mit euren Erfahrungen seid. Alle Frauen beim Fußball erleben verschiedene Formen sexualisierter Gewalt, auch wenn manche sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Am wichtigsten ist zu verstehen, dass ihr nicht Schuld daran seid, wenn ihr sexualisierte Gewalt erfahrt. Auch dann nicht, wenn ihr mit Minirock und hohen Schuhen ins Volksparkstadion kommt. Ihr könnt anziehen was ihr wollt, denn kein Outfit der Welt gibt jemand anderem das Recht, euch gegenüber Grenzen zu überschreiten. Auch unter den Frauen beim HSV passiert es viel zu häufig, dass abschätzig übereinander geredet wird, z.B., weil eine Frau sich angeblich zu weiblich für den Fußball anziehe. Hier kann eine solidarische Vernetzung unter den Frauen helfen. Im Februar 2020 gab es z.B. einen ersten Auswärtsbus von und mit Frauen zum Spiel nach Hannover und seitdem immer wieder verschiedene Vernetzungen unter Frauen beim HSV. Wenn ihr von sexualisierter Gewalt betroffen seid und Beratung braucht oder euch mehr zu dem Thema informieren wollt, dann gibt es verschiedene Stellen, an die ihr euch wenden könnt (siehe unten).

Sexismus und sexualisierte Gewalt im Fußball führen dazu, dass viele Frauen sich immer wieder unwohl im Stadion fühlen oder strukturell von bestimmten Posten im Fußball (Vorstand, Vorsänger, Trainer usw.) ausgeschlossen werden. Männer wiederum profitieren tagtäglich (häufig unbewusst) von sexistischen Zuständen im Fußball und in unserer Gesellschaft. Kein Wunder also, dass viele Männer kein Interesse daran haben, diese sexistischen Verhältnisse im Fußball zu verändern.

Sexismus ist kein Phänomen, was alleine auftritt, sondern es ist mit anderen Formen der Diskriminierung verschränkt. So sind z.B. queere Frauen oder Women of Color nicht nur Sexismus, sondern auch Queerfeindlichkeiten oder Rassismus ausgesetzt. Es macht also Sinn, die verschiedenen Formen von Diskriminierungen zusammen zu denken.

Lasst uns gemeinsam für einen HSV einstehen, der für alle offen ist und Frauen nicht durch Gesänge, Sprüche oder dem Erzwingen von sexuellen Handlungen herabwürdigt und demütigt. Lasst uns über sexualisierte Gewalt reden und das Thema nicht länger verschweigen, denn nur so können wir etwas ändern.

Netzwerk Erinnerungsarbeit im Juni 2021

 

Was wir uns vom Wahlkampf wünschen – eine gemeinsame Erklärung

In wenigen Wochen stehen die Bundestagswahlen an und Millionen von Wahlberechtigten dürfen Kreuzchen machen und werden dieser Pflicht hoffentlich auch wieder nachkommen. Die Wochen und Monate vor einer Wahl sind für Fans phasenweise doch sehr anstrengend, da gerade der Fußball gerne für politische Stimmungsmache genutzt wird und die Politiker und Politikerinnen gerne etwas mehr Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Kurz vor der ab dem 16. Juni stattfindenden Innenministerkonferenz fordert der erste Minister auch einmal wieder personalisierte Tickets für Fußballfans, um straffällig gewordene Fans von Spielen ausschließen zu können, als ob es nicht schon längst Stadion- und Betretungsverbote gäbe.

Das wir als Fan- und Mitgliederabteilung, als sozialpädagogisches Fanprojekt und als organisierte Fußballfans auf diese Art des Wahlkampfes keine Lust haben, ist sicherlich bekannt und von daher wollen wir den Spieß doch einmal umdrehen und ein paar Hilfestellungen geben, was wir uns für Aussagen im Wahlkampf wünschen, wenn man sich schon des Fußballs als Plattform für den Wahlkampf bedient.

„Es ist uns zu einfach nur gegen Äußerungen von Politikern zu argumentieren und wollen mit unseren Punkten eine Hilfestellung anbieten und Themen adressieren, die im Wahlkampf gerne eine ernstgemeinte Relevanz haben können und zu diesen wir gerne jederzeit zum Dialog bereit stehen“ so Christian Bieberstein, stellvertretender Abteilungsleiter des HSV Supporters Club.

 

  1. Politiker fordern Abschaffung von Stadionverboten, sofern keine rechtsmäßige Verurteilung erfolgt

 

  1. Politiker fordern eine Versachlichung bei der Debatte um Gewalt bei Sport- und Großveranstaltungen und rufen auch die Gewerkschaften der Polizei zur sachlichen Debatte auf

 

  1. Politiker fordern eine Nachhaltige und unabhängige Ombudsstelle für Fußballfans.

 

  1. Politiker fordern Verbände auf, den Fandialog deutlich mehr auf Augenhöhe zu führen und zusammen mit den Fans & Mitgliedern an einer nachhaltigen Verbesserung des Profifußballs zu arbeiten

 

  1. Politiker fordern eine deutliche Erhöhung der Gelder für Jugend- und Sozialarbeit bei Fanprojekten und die Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

 

  1. Endlich Klarheit, dass Polizeieinsätze nicht von Vereinen bezahlt werden

 

  1. Keine Personalisierung von Tickets und freie Wahl der Reisewege für Gästefans

 

  1. Politiker fordern unabhängige Stelle unter Einbindung von Vereinen und Fanbeauftragten für die Beurteilung von Polizeieinsätzen in Höhe und Anzahl der Eingesetzten Beamten und Beamtinnen

 

  1. Politiker fordern die Abschaffung der unrechtsmäßigen und intransparenten „Datei Gewalttäter Sport“

Förderkreis Nordtribüne e.V.

HSV-Fanprojekt

HSV Supporters Club / Abteilung fördernde Mitglieder

 

 

Neues Fanzine aus der Fanszene

Passend im Fußball-Corona-Loch, kommt ein neues Fanzine aus der HSV-Fanszene. Unabhängig von bestehenden Veröffentlichungen und Gruppenstrukturen haben sich Einzelpersonen zusammen geschlossen, um beim HSV ein Druckerzeugnis entstehen zu lassen, was unregelmäßig erscheint, dafür aber qualitativ hochwertig ist. Sowohl die Texte, als auch die Fotos und Illustrationen sind wohlüberlegt, schließlich hatten wir auch zwei Jahre Zeit dafür. Die Themenvielfalt ist groß: Drogen in der Fanszene, ein aktueller Blick auf Repressionen in Fußball-Deutschland, Spielberichte der etwas anderen Art, exklusive Fotostrecken, Portraits von Bekannten aus dem HSV-Umfeld und einiges mehr. Das Titelthema der ersten Ausgabe ist übrigens einem Jubiläum geschuldet: 20 Jahre Nordtribüne Hamburg.

Also – holt euch das Ding und damit ein bisschen von dem Fußball zu euch nach Hause, den wir gerade missen müssen. Kritik, Leserbriefe, Anregungen und Bestellungen (5 Euro plus Versand) unter bahrenfelderanzeiger@mail.de.

Eure BAZ-Redaktion

Update:

Die erste Ausgabe des Bahrenfelder Anzeigers ist komplett vergriffen.

Zeit für Veränderungen


Als Antwort auf die aktuellen Entwicklungen und Diskussionen im Profifußball und beim HSV schlossen sich verschiedene HSV-Fans zusammen und gründeten die Initiative UNSER HSV.

Da Einige vom Förderkreis Nordtribüne e.V. auch Teil der Initiative sind, unterstützen wir dieses Anliegen mit der Veröffentlichung des ersten Ankündigungstextes:


ZEIT FÜR VERÄNDERUNGEN

Auch beim HSV

Der Fußball steht an einem Scheideweg und das nicht nur durch die Auswirkungen der weltweiten Pandemie, welche uns alle seit nun über einem Jahr zu einer gewissen Passivität zwingt. Zudem wurden in den vergangenen Monaten auch die Schwächen des „System Fußball“ deutlich ans Tageslicht getragen und die Rufe nach einer nachhaltigen Veränderung werden klarer, intensiver und lauter.

Nicht nur zuletzt, als die selbsternannten „Super-Bayern“ die Sonderrolle des Profifußballs ad absurdum führten und mit einem Marathon an Negativschlagzeilen für reines Kopfschütteln sorgten, wurde deutlich, wie sehr sich der Fußball mittlerweile von der Basis entfernt hat. Fußballfans in ganz Deutschland mussten in den letzten Jahren bereits viele Negativentwicklungen hinnehmen, die mit den Grundprinzipien des Fußballs und der Fankultur wenig bis gar nicht im Einklang stehen. Doch auch außerhalb Deutschlands ist der Fußball seit Jahren auf bestem Wege, sich von der Gesellschaft zu entfremden. Auf internationaler Ebene ist die WM Vergabe nach Katar ein prädestiniertes Beispiel, dass es im Fußball längst nicht mehr um Fans, sondern um das liebe Geld geht. Dass neben Korruption und Menschenrechtsverletzungen selbst der Verlust tausender Menschenleben kein Umdenken herbeiführt, lässt viele nur noch fassungslos dastehen.

Hierzulande kündigte die DFL vor gut einem Jahr „nachhaltige Veränderungen“ und eine verstärkte „Demut“ an. Doch statt der Vereine und Verbände waren es bezeichnenderweise wieder einmal die Fans, die sich intensiv mit möglichen Veränderungen beschäftigten und im Sommer letzten Jahres ein Bündnis für basisnahen, nachhaltigen sowie zeitgemäßen Fußball gründeten (https://unserfussball.jetzt/) und konkrete Vorschläge erarbeiteten (https://zukunft-profifussball.de/). Im September letzten Jahres kündigte die DFL die Einberufung der „Taskforce Zukunft Profifußball“ an, deren Ergebnisse im Februar 2021 veröffentlicht wurden (https://www.dfl.de/de/aktuelles/ergebnisbericht-taskforce-zukunft-profifussball/). Doch statt konkreten Maßnahmen wurden lediglich 17 Handlungsempfehlungen veröffentlicht, bei denen der Konjunktiv mehr Beachtung fand als messbare Parameter.

Der Fußball braucht Veränderungen. Es muss Schluss sein mit leeren Worten und Luftschlössern. Es braucht mutige Entscheidungen und neue Denkweisen – auch bei unserem HSV. Der Förderkreis Nordtribüne e.V. hat sich bereits im November 2020 mit einer umfangreichen sowie detaillierten Bestandsaufnahme geäußert und eine Reflektion bisheriger Handlungen und Betrachtungsweisen angeregt (http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/page/2/). Der Rücktritt des e.V.-Präsidiums vor gut einem Monat könnte zum Stein des Anstoßes werden, die Werte von unserfussball.jetzt, die Reformvorschläge der Initiative Zukunft Profifußball sowie die Handlungsempfehlungen der DFL auf den HSV zu projizieren und Möglichkeiten der Neuausrichtung zu erörtern.

Wir möchten mit Euch allen gemeinsam den Schrei nach Veränderung, der unüberhörbar in der Gesellschaft ist, auf eine sachliche Ebene bringen und mit Inhalten füllen. Zusammen gilt es, die vielen verschiedenen Ansätze zu diskutieren und mögliche Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Da die anhaltende Pandemie unsere Präsenz auf der Nordtribüne im Volkspark oder in den Gästekurven der Republik derzeit nicht möglich macht und der Austausch auf Busparkplätzen oder der Klönschnack am Bierstand momentan wegfallen, starten wir mit dem digitalen Dialog. Wir werden dafür den Austausch mit Euch suchen und Möglichkeiten der Partizipation bieten. Wir melden uns an anderer Stelle mit weiteren Informationen.

Auch in schweren Zeiten gilt es: Bringt Euch ein!

Gemeinsam für den HSV. Unseren HSV.

Initiative “UNSER HSV“ im März 2021

Statement

 

Aufgrund des Auftritts von Tomasz Froelich, stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative, in sozialen Netzwerken möchten wir Folgendes deutlich klarstellen:

Seine Person ist in der Fanszene unseres HSV nicht erwünscht und wird nicht geduldet. Dies gilt ebenso für die menschenverachtenden Ansichten (s)einer rechtsgerichteten Partei. Auch die mancherorts genannten „Boozehounds“ spielten beim HSV nie eine Rolle und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Für die parteipolitischen Interessen der AfD, deren menschenfeindliche Ideologie grundsätzlich den Werten des Hamburger Sport-Vereins und denen der Nordtribüne Hamburg widerstrebt, lassen wir uns nicht instrumentalisieren.

Wir stehen für eine vielfältige und zugleich vereinte Fangemeinde. Menschen, die diskriminierendes Verhalten in unseren Reihen ausleben oder gar etablieren wollen, stehen unseren Zielen, Werten und Vorstellungen entgegen.

Nazis sind beim HSV nicht willkommen!

 
Förderkreis Nordtribüne e.V.
Castaways
Clique du Nord
HH-Ost
Sektion Schleswig-Holstein
Forza Hamburg
Banda Caotica
Iron Loyalty
Turn Up
Nordhessen
Vorstadtbande