Statement zu der Hausdurchsuchung bei Bakery Jatta

Es sind einige Monate vergangen, in denen die Ermittlungen bezüglich der Identität von Bakery Jatta scheinbar ruhten. Trotzdem kam es am vergangenen Donnerstag zu einer Durchsuchung seiner Wohnung durch die Polizei, abgenickt durch die Staatsanwaltschaft.

Dass das Bezirksamt die Ermittlungen bereits eingestellt hatte, scheint dabei nichts zur Sache zu tun. Vielmehr drängt sich uns der Eindruck auf, dass die Allianz von BILD und Staatsanwaltschaft, getragen von alltagsrassistischen Klischees, ihr angekratztes Ego aufpolieren möchte und daher zu solch drastischen Maßnahmen greift. Anders ist nicht zu erklären, weshalb ein Reporter der BILD-Zeitung bereits zum Startzeitpunkt der Hausdurchsuchung am frühen Morgen mit vor Ort sein und sensible Informationen sammeln konnte.

Allzu verwunderlich ist dieser Vorgang und die damit verbundene Einstellung nicht. Die ganze abgelaufene Saison über wurde in der BILD stets Jattas angeblich „richtiger“ Name Daffeh in Verbindung mit seiner Person gebracht, wenn es um die Berichterstattung rein sportlicher Leistungen ging.

Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum die Polizei einem einzelnen Pressevertreter der Zeitung, die diese eklige Kampagne überhaupt erst gestartet und dabei Menschen vorverurteilt und stigmatisiert hat, einen Exklusivbericht ermöglicht. Und das, obwohl die BILD seit über einem Jahr jeden Beweis für ihre Behauptungen schuldig geblieben ist. Von einer ausgewogenen oder neutralen Berichterstattung kann bei derartigen Vorgängen kaum die Rede sein. So tritt das Medium ein weiteres Mal zugleich als selbstgerechter Ankläger und Richter in dieser Affäre auf.

Unabhängig von der hier komplett ignorierten Unschuldsvermutung, spielt es für uns jedoch keine Rolle, ob Bakery bei seiner Flucht aus Gambia im Jahre 2015 17 Jahre alt war, oder doch bereits volljährig. Ein Mensch, der durch die Sahara und über das Mittelmeer flüchtet, tut dies garantiert nicht aus der Absicht heraus, deutsche Behörden zu überlisten und Profifußballer zu werden. Tagtäglich ertrinken Menschen mit ähnlichen Schicksalen wie dem von Bakery oder werden von Grenzbeamten misshandelt und gefoltert. Das ist der wahre Skandal.

Wir freuen uns darüber, dass der HSV bislang die Werte vertreten hat, für die unser Verein qua Satzung steht. Wir stehen weiterhin voll und ganz hinter unserem Spieler und Mitbürger Bakery Jatta und fordern die Stadt Hamburg dazu auf, das Gleiche zu tun. Bakery Jatta steht für uns mit seiner Prominenz als Fußballprofi stellvertretend für alle Menschen, die in Hamburg Zuflucht und ein sicheres Leben suchen.

Wir fordern die unverzügliche Rückgabe aller von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Geräte an Bakery Jatta, sowie eine sofortige Einstellung des Ermittlungsverfahrens. Zudem fordern wir den HSV auf, falls bestehend, jede Zusammenarbeit mit der BILD einzustellen.

BAKERY – NO MATTER WHAT, WE GOT YOUR BACK!

Banda Caotica
Castaways
Clique du Nord
Forza Hamburg
Förderkreis Nordtribüne e.V.
HH-Ost
Iron Loyalty
Nordhessen
Turn Up

English Version:

Several months have passed in which the investigations regarding the identity of Bakery Jatta seems to have been suspended. Nevertheless, last Thursday his apartment was searched by the police, nodded off by the public prosecutor’s office.

The fact that the district office had already suspended the investigation seems to have been widely ignored. On the contrary, we are forced to believe that the alliance between the newspaper BILD and the public prosecutor’s office, supported by everyday racist clichés, wants to polish up its bruised ego and, is therefore, resorting to such drastic measures. There is no other way to explain why a BILD reporter was able to be on the scene early in the morning when the house search began and to collect sensitive information.

This process and the attitude it entailed is not all that surprising. Throughout the entire past season, the BILD has always associated Jatta’s allegedly “real” name Daffeh with his person when it came to reporting purely sporting achievements.

Even more reason to ask why the police allowed a single press member to write an exclusive report for the newspaper that started this disgusting campaign in the first place and prejudiced and stigmatized people in the following. Although BILD has been failing to provide any evidence for its claims for over a year. There can hardly be any talk of balanced or neutral reporting in such a case. Thus, the media once again appears as a self-righteous prosecutor and judge in this affair.

Irrespective of the presumption of innocence, which is completely ignored here, it makes no difference to us whether Bakery was 17 years old when he fled Gambia in 2015, or whether he was already of age. A person who flees through the Sahara and across the Mediterranean is certainly not doing so with the intention of outwitting German authorities and becoming a professional footballer. Every day people with similar fates to Bakery are drowning or maltreated and tortured by border guards. That is the real scandal.

We are delighted that HSV has so far represented the values that our club stands for according to its statutes. We continue to fully support our player and fellow citizen Bakery Jatta and call on the city of Hamburg to do the same. For us, Bakery Jatta, with his celebrity status as a professional footballer, is representative of all people who seek refuge and a secure life in Hamburg.

We demand the immediate return of all equipment confiscated by the public prosecutor’s office to Bakery Jatta and an immediate halt to the investigation. We also call on HSV to cease any cooperation with BILD, if anything of the sort exists.

BAKERY – NO MATTER WHAT, WE GOT YOUR BACK!

Spendenergebnis der virtuellen Fanhausöffnung

Moin Nordtribüne,

gemeinsam mit dem HSV-Fanprojekt öffneten wir zum Wochenende vom 15. bis 17. Mai das Fanhaus – virtuell. An jenem Wochenende hätte das Spiel gegen Sandhausen stattgefunden. Mit der Aktion wollten wir die Krankenstube für Obdachlose unterstützen (http://nordtribüne-hamburg.de/2020/05/virtuelle-fanhausoeffnung/). An dieser Stelle möchten wir uns für jede Spende nochmals bedanken und geben hier die Spendensumme bekannt.

Gespendet wurden 2827,70 Euro. Wir haben uns riesig über das Ergebnis gefreut. Ein großes Zeichen der Solidarität von Euch!

Letzte Woche übergaben wir gemeinsam mit Geneviève vom Fanprojekt das Geld. Wir konnten einen kleinen Einblick in die beeindruckende Arbeit der Mitarbeiter*innen und ehrenamtlich Engagierten bekommen. Selbstverständlich wurden die geltenden Vorschriften und der Mindestabstand eingehalten.

Der Leiter der Krankenstube Thorsten Eikmeier (Todde), viele kennen ihn sicher noch, nahm die Summe dankend entgegen und freute sich sehr.

Die Dankesbriefe, für Spenden ab 10 Euro, werden wir diese Woche versenden.

Im Bild: Geneviève und Todde

 

Die Fanszenen Deutschlands nehmen Stellung

In der Krise beweist sich der Charakter

Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht. 

Wir hätten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird. 

Veränderungen

„Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Zwar zeugt die von der DFL getätigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Maßstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausmaß man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde. 

Es ist jetzt, und nicht erst nach überstandener Krise, an der Zeit, über konkrete Veränderungen im Profifußball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:

1.       Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder

Der aktuelle Verteilungsschlüssel sorgt dafür, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung fördert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivität der Ligen.

2.       Rücklagen

Es muss festgelegt werden, dass die Clubs Rücklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem Rücksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und dafür adäquate Lösungen gefunden werden, ohne diese – ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen. Schließlich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidität genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise geführt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverständlich.

3.       Gehalts- und Transferobergrenzen 

Spielern und Funktionären seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien vergönnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Auswüchse zu stoppen und dem irrationalen und unverhältnismäßigen Wettbieten entgegenzuwirken.

4.       Einfluss durch Berater beschränken

Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches für den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschränkt werden.

Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erklären lässt, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Ablösesummen ist, der dem eigenen Verein tatsächlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.

Zu hoch sind die Beträge, die bei den Transfererlösen bei den Spielerberatern hängen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Schützlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das „Kasse machen“, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs öfter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zuträglich wäre.

Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den großen Beratungsbüros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die Höhe treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gestört und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifußball kein Interesse haben kann.

Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen füllen und die Verbände die Augen verschließen!

Natürlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fußball, wenn gute Spieler gute Gehälter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.

5.       Kader begrenzen

Durch aufgeblähte Spielerkader lagern die Vereine „Kapital“ auf Ihren Auswechselbänken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht für die Konkurrenz auflaufen können und lässt sie dann auf der Bank oder Tribüne versauen. Vereine, die es sich leisten können, blähen ihre Kader künstlich auf. Dem Motto folgend „was ich habe hat schon mal kein anderer“. Das ist natürlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.

Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskräften sollte dennoch jederzeit möglich sein, denn würde es rein um die Absicherung gegen Ausfälle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein großer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu fördern.

Ein „Zusammenkauf“ von Profispielern „auf Halde“ ist grundsätzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worten der Verbandsvertreter und von Funktionären, den Fußball ändern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschwören von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine lösungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.

Fanszenen Deutschlands im Mai 2020

Information der Fanhilfe Nordtribüne

Moin HSV-Fans,
zur Zeit ist das gesellschaftliche Leben in vielen Bereichen auf Null gefahren und der
gewohnte Alltag liegt, trotz eintretender Lockerungen der Corona-
Beschränkungsmaßnahmen, vermutlich noch in weiter Ferne. Die Fanhilfe
Nordtribüne hat sich die Zeit zu Nutze gemacht, sich virtuell zusammengesetzt und
inhaltlich wieder einiges vorangetrieben. Wir haben unter anderem einen
ausführlicheren Beitrag zum Thema „Umgang mit Stadionverboten“ verfasst oder
auch Auskunftsanfragen, über die Speicherung von Euch erfasster Daten, auf unserer
Homepage bereitgestellt, die Ihr bei den zuständigen Behörden einreichen könnt.
Genauere Informationen dazu findet ihr dort ebenfalls.
Wenn Ihr immer auf dem aktuellen Stand sein möchtet, dann könnt Ihr uns auch gerne auf
Twitter folgen.
Bleibt gesund!

Virtuelle Fanhausöffnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Moin HSV- Fans,

es ist jetzt gut zwei Monate her, dass uns die Corona-Krise den Fußball, wie wir ihn kennen, plötzlich unmöglich gemacht hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die DFL mit ihrem vorgelegten Konzept für die Bundesligen begonnen hat, die Saison zu Ende spielen zu lassen – ein gewöhnlicher Spieltag, mit allem was dazugehört, wird die nächsten Monate nicht möglich sein.

Dieses Wochenende wäre der 34. Spieltag – im Volkspark gegen Sandhausen. Wir alle träfen uns im Fanhaus und würden uns für die anstehende Aufstiegsfeier mit Brötchen und Getränken stärken. Wir möchten unsere gesparten Taler einem guten Zweck zukommen lassen, um einmal mehr zu zeigen, dass die HSVer*innen zusammenhalten.

Deshalb laden wir, der Nordtribüne e. V. und das Fanprojekt, Euch zur virtuellen Fanhausöffnung ein.

Ihr habt die Möglichkeit Getränke und Speisen, die ihr sonst bei der Öffnung gekauft hättet, per PayPal zu zahlen. Wer 10 € oder mehr verzehrt, wird von uns im Anschluss gesondert für ein kleines Dankeschön angeschrieben. Die so erzielten Einnahmen gehen vollständig an die Krankenstube für Obdachlose, die dort stationär behandelt und sozialpädagogisch betreut werden. Ein wichtiges Projekt in dieser Stadt für die Ärmsten in unserer Gesellschaft, welches jede Unterstützung verdient.

Wann? An diesem Wochenende vom 15. bis 17. Mai.
Wie? Per PayPal an: PayPal.Me/JuSpeV

Wir gemeinsam: Für unsere Stadt! Für unseren Verein!

Nur der HSV!

Stellungnahme der Castaways zu der Genehmigung von Geisterspielen

Geisterspiele – und jetzt?

Die Politik hat grünes Licht gegeben und damit stehen uns genau wie vielen anderen Fußballfans in ganz Europa endgültig Geisterspiele bevor. Warum wir Geisterspiele ablehnen und welche Änderungen wir für das kranke System Profifußball fordern, haben wir mit der auch von uns unterstützten Stellungnahme der Fanszenen Deutschlands bereits deutlich gemacht. Darum wollen wir auf diesen Aspekt hier nur kurz zu sprechen kommen und legen stattdessen die Lektüre der zuvor genannten Stellungnahme nahe. Seit Jahren werden im Fußball unter dem Motto „höher, schneller, weiter“ Geldsummen jenseits unserer Vorstellungskraft bewegt. Nach gerade mal zwei Monaten ohne Spielbetrieb stehen jetzt Medienberichten zufolge diverse Vereine bereits vor der Pleite und das gesamte System vor dem finanziellen Kollaps. Daher soll ohne Rücksicht auf Gesundheit der Beteiligten der Spielbetrieb fortgesetzt werden. Der Plan der Taskforce der DFL offenbart dabei die ganze Perversion dieser Machenschaften. Es ist schlichtweg nicht eingeplant, dass Spieler oder Trainer während des laufenden Spielbetriebs positiv auf das Coronavirus getestet werden könnten. Das Beispiel von drei infizierten Spielern des 1. FC Köln zeigt dies sogar noch deutlicher auf: Es wird einfach weiter in Grüppchen trainiert. Dass eine Grüppchenbildung im laufenden Spielbetrieb nicht mehr möglich ist und mindestens zwei komplette Mannschaften inklusive deren Familien unter Quarantäne gestellt werden müssten, scheint dabei als Kollateralschaden hingenommen zu werden – Ein Opfer, das die Beteiligten eben bringen müssten. Darüber hinaus wird die DFL nicht müde zu betonen, dass deutschlandweit ausreichend Testkapazitäten zur Verfügung stehen. Dass aber in gesellschaftlich weit bedeutenderen und zugleich unterbezahlten Bereichen wie Pflege oder Betreuung keine flächendeckenden Tests möglich zu sein scheinen, während ausgerechnet finanziell privilegierte Sportprofis wöchentlich getestet werden sollen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Der allergrößte Teil unserer Gesellschaft handelt verantwortlich und schränkt sich selbst seit mehreren Wochen massiv ein, parallel dazu setzt der Profifußball in Form von DFB und DFL alles daran, den Geldfluss am Laufen zu halten und sich und sein offensichtlich krankes System am Leben zu halten.
Trotz alledem müssen natürlich auch wir uns jetzt damit auseinandersetzen wie wir in den kommenden Wochen und Monaten mit den Geisterspielen umgehen.
Zunächst möchten wir daher an die Vernunft und die soziale Verantwortung aller HSV-Fans appellieren. Bringt euch und eure Mitmenschen nicht in Gefahr, indem ihr die Spiele in größeren Gruppen in den Wohnzimmern unserer Stadt verfolgt oder euch gar rund um das Stadion versammelt. Es ist schlimm genug, dass die DFL die Gesundheit von Spielern, Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten und deren Familien gefährdet, damit sie ihrer Profitgier wieder freien Lauf lassen können. Spielt dieses Spiel bitte nicht auch noch mit!
Mit der Entscheidung für Geisterspiele hat sich die DFL und das gesamte System Profifußball endgültig zu dem bekannt, was vielen Fans seit Jahren bewusst ist: Aus den Übertragungsrechten in der ganzen Welt generiertes Geld ist wichtiger als Fans im Stadion. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass der Reiz und auch der Erfolg des Fußballs nicht nur aus dem Spiel selbst, sondern vor allem auch aus dem sozialen Miteinander rund um die Spiele erwachsen sind. Fußball ohne Fans ist nichts.
Wir können die Geisterspiele nicht verhindern, aber wir werden kein bisschen dazu beitragen, diesen Spielen einen positiven Rahmen zu verleihen. Wenn die Verantwortlichen Geisterspiele wollen, dann sollen sie diese auch in ihrer reinsten Form bekommen. Die Stehplätze in grau statt mit Fahnen in unseren Farben und die Stille so laut, dass es das ganze Spiel verändert. Wer Fans nur vor den Fernsehern in Kauf nimmt, damit der Rubel rollt, der wird mit den Folgen leben müssen. Es ist blanker Hohn, dass die DFL die Vereine ermuntern wollte, das Aufhängen von Bannern im Stadion zu ermöglichen. In Deutschland und auch in unserer Fanszene gibt es eine jahrzehntelange Zaunfahnenkultur. Seit jeher repräsentieren die Zaunfahnen Menschen, die hinter ihrer Fahne auf der Tribüne stehen oder sitzen und ihrem Verein die Daumen drücken und ihn unterstützen. Ein Banner im leeren Stadion ohne die zugehörigen Menschen dahinter verfehlt daher seinen Sinn und ist für uns kein Zeichen einer lebendigen Fankultur.
Ferner begrüßen wir, dass sich unser Verein zur Fankultur bekennt und in verschiedenen Gesprächen zugesichert hat, auf sämtliche Simulation von Fankultur zu verzichten. Das beinhaltet auch mögliche „Geisterchoreografien“ von Marketingagenturen, Pappfiguren, die abwesende Fans symbolisieren sollen und vor allem eine gewisse „Fan-App“, mit der per Knopfdruck vom Sofa „applaudiert“, „gesungen“ und „gejubelt“ werden kann.
Den öffentlich kommunizierten Vorstoß der Mannschaft und des Trainerteams, zugunsten des Vereins und seinen Angestellten auf Teile des Gehalts zu verzichten, begrüßen wir ausdrücklich und wünschen uns, dass diesen Worten bald Taten folgen.
Über all das hinaus behalten wir uns vor, unseren Protest in kreativer Art und Weise weiter nach außen zu tragen. Auch und gerade dann, wenn wir selbst nicht ins Stadion gehen können. Wir sind nur nicht so blöd, dabei unsere und die Gesundheit anderer aufs Spiel zu setzen.
Das System Profifußball gehört weiter in Quarantäne.
Ans Herz legen möchten wir euch allen nochmal die Kampagne “HSVer für Hamburg”. Unterstützt andere HSVer dabei, gut durch die Krise zu kommen.
Zu guter Letzt hoffen natürlich auch wir, dass die Mannschaft die kommenden Spiele auch ohne den vielzitierten „zwölften Mann“ erfolgreich bestreitet. Gebt alles und kämpft für die Raute auf den Trikots, die ihr tragt!
Castaways (Mai 2020)