Der HSV im November 2020 – Eine Bestandsaufnahme

Moin Nordtribüne,

in den letzten Wochen und Monaten hat sich der HSV-Kosmos mal wieder in einem wahnsinnigen Tempo gedreht. Wir spielen mittlerweile zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren in der Europa League und gelten in der kommenden Saison als Geheimfavorit auf einen Champions-League Platz.

An Stammtischen und in Talkrunden wird der HSV sogar als Meisterkandidat hinter den großen Favoriten aus Dortmund und München gehandelt. Dass eine solche Entwicklung möglich ist, das hätte wohl niemand für realisierbar gehalten.

Erfreuliches gibt es auch aus finanzieller Sicht zu vermelden: der Schuldenberg vergangener Tage wurde erfolgreich abgetragen und jedes Jahr wird ein neuer Umsatzrekord erreicht. Abgesandte großer und internationaler Firmen stehen bereits seit Monaten Schlange vor der Geschäftsstelle und hoffen ein Sponsoring-Engagement zu ergattern. Die Strahlkraft des HSV scheint wieder hell im Wirtschaftskosmos und man darf gespannt sein, welcher Big Player als nächstes den gemeinsamen Erfolgsweg mit dem HSV einschlagen wird.

In der aktuellen Länderspielpause entsandte der HSV ein Drittel des aktuellen Kaders an die entsprechenden Nationalverbände. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass ein Teil dieser Nationalspieler im Nachwuchsleistungszentrum des HSV ausgebildet wurde. Diese exzellente Jugendarbeit brachte viele Talente hervor und man blickt gespannt auf den Campus, wo sich bereits die nächste Generation an Wunderkindern auf den Weg in den HSV-Kader macht. Vorbei sind die Zeiten, in denen man Altstars den Weg zur Rente durch exorbitante Verträge verschönerte oder sich bei ablösefreien Spielern aus der zweiten Bundesliga bedienen musste.

So oder so ähnlich würde wahrscheinlich die alternative Realität in den kühnen Wunschvorstellungen vieler HSV-Fans aussehen.

Diese alternative Realität dient als Einführung in eine Reihe von drei verschiedenen Texten, die euch in den nächsten Wochen erwarten und die das Ziel verfolgen, die aktuelle Situation rund um den HSV im Jahr 2020 zu reflektieren. Wir wollen als Förderkreis Nordtribüne e. V. die aktuelle „fußballfreie“ Zeit nutzen und versuchen, die derzeitigen Entwicklungen kritisch einzuordnen und unsere Positionen zu verdeutlichen.

Denn eines ist offenkundig: Die Gegenwart sieht anders aus. Der HSV spielt im dritten Jahr in Folge in der zweiten Liga, weit entfernt von den Top-Mannschaften der Bundesliga und dem internationalen Wettbewerb. Zudem plagen den HSV Verbindlichkeiten in Millionenhöhe und man wird dieses Jahr aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie das höchste Defizit der Vereinsgeschichte erreichen.

Vor wenigen Wochen wurde mit einem Hochglanz-PR-Akt ein Deal mit der Stadt Hamburg bekannt gegeben. Offizieller Anlass: Die anstehende Modernisierung des Stadiongeländes zur EM im Jahr 2024. Es bedarf nicht viel Fantasie um festzustellen, dass die Erträge dieses Deals sicherlich auch in andere Kanäle fließen werden. Um das jedoch richtig einschätzen zu können, fehlt die Transparenz. Diese Transparenz wird uns HSV-Fans leider vorenthalten. Zu groß der derzeitige Abstand zwischen uns und dem Verein. Auch der am 13.11.2020 veröffentlichte Jahresabschluss (zum 30. Juni 2020) hinterlässt mehr offene, als geklärte Fragen – eine offene und transparente Kommunikation in Anbetracht der ungewissen Zukunft muss hier zwingend erfolgen.

Ungewöhnlich unaufgeregt und professionell gestaltete sich die Suche nach einem neuen (Trikot-)Hauptsponsor, nachdem der jahrelange Partner Emirates den Vertrag nach dem erneuten Verpassen des Aufstieges aufgelöst hatte. Mit dem nordrhein-westfälischen Unternehmen Orthomol, spezialisiert auf die Herstellung von Nahrungsergänzungsmittel, wurde doch noch pünktlich zum Saisonstart ein Sponsor gefunden. Selbstverständlich wurde voller Stolz auf das Finanzvolumen des neuen Deals geblickt: Nach inoffiziellen Angaben zahlt das Familienunternehmen rund zwei Millionen Euro jährlich – eine Steigerung von rund 600.000 EUR im Vergleich zum vorherigen Emirates-Deal. Ein wichtiger Eckpfeiler zur Grundfinanzierung laufender Kosten wurde somit pünktlich zum Saisonstart gesetzt.

Nichtsdestotrotz ist es ein offenes Geheimnis, dass die finanzielle Situation Anlass zur Sorge gibt. Das beinahe gesamte Wegbrechen der Einnahmen aus dem Ticketing, Gehaltsstrukturen aus der „Vor-Corona-Zeit“ und die diffuse und nicht kalkulierbare Ertragsbildung zukünftiger Einnahmen sind nur Beispiele einer großen Gesamtsorge, dass der HSV ein Finanzproblem hat.

Das ist selbstverständlich nicht nur beim HSV so. In diversen anderen Städten haben die Vereine ähnliche, zum Teil sogar gravierendere Herausforderungen zu meistern. Der Fußball hat ein Gesamtproblem. Planungen, die das erfolgreiche Abschneiden in der kommenden Saison voraussetzen, sind an der Tagesordnung. Hohe Verschuldungen und Mäzene als Heilsbringer auch. Während es also momentan vielerorts nicht rosig aussieht, sollten wir dennoch zunächst vor unserer eigenen Haustür kehren. Die finanzielle Situation im November 2020 beim HSV ist katastrophal. Hier muss vom Verein eine ehrliche Kommunikation erfolgen. Es wird ein Drahtseilakt, innerhalb der bestehenden Strukturen für finanzielle Entlastung zu sorgen. Aussicht auf Erfolg? Ungewiss.

Sportlich startete das Team bekannt dilettantisch in die neue Spielzeit. Das Spiel vor ungewohnter Kulisse in der sächsischen Landeshauptstadt trieb bereits die ersten Sorgenfalten in zahlreiche Gesichter der Verantwortlichen und Fans, ehe mit einem soliden Auftaktsieg gegen den Bundesliga-Absteiger aus Düsseldorf die erste Mini-Krise abgewendet werden konnte. Es folgte ein für den HSV fast schon typisches Chaos-Spiel mit einem Happy End in Paderborn, ehe Corona das erste Ausrufezeichen setzte: Spielabsage gegen Erzgebirge Aue. Nach teils sehr überzeugenden Auftritten in den Folgespielen, war das Derby ein deutlicher Rückschlag, auch wenn Einsatz und Aufopferungsbereitschaft der Mannschaft im Gegensatz zu den Derbys davor gestimmt haben. Gegen Holstein Kiel zeigte sich der klassische Zweitliga-HSV: Führen bis kurz vor Schluss und dann das Spiel aus der Hand geben.

Ein interessanter Kader stellt sich der Herausforderung, das dritte Jahr in der zweithöchsten deutschen Spielklasse anzutreten. Die Erwartungshaltung könnte man irgendwo zwischen souveränem Aufstieg als Tabellenführer und hoffnungslosem Pessimismus einordnen. Mit Daniel Thioune wurde ein Trainer verpflichtet, der durch sein ruhiges Auftreten, sachlich-fachlicher Kompetenz und taktischer Variabilität den Kader durch die Saison 2020/21 führen soll. In den ersten Monaten konnten diese Fähigkeiten grundsätzlich bestätigt werden. Selbstverständlich ist es viel zu früh, hier ein Urteil oder Fazit zu ziehen. Die ersten Wochen versprachen aber bereits eines: Langweilig wird es sicherlich nicht werden.

Langeweile findet man aktuell dort, wo man sie an Spieltagen nie vermutet hätte: Auf den Tribünen in den Stadien. Dort, wo wir mit Freundinnen und Freunden, Bekannten und völlig Fremden Schulter an Schulter standen, ekstatische Siege feierten, bittere Niederlagen erlebten, Bierduschen ausbadeten, auswichen und verteilten – dort ist es aktuell still geworden. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann der Tag kommen wird, an dem wir unseren Verein wieder im Stadion zu Höchstleistungen anfeuern können. Die Covid-19-Pandemie wird uns noch länger begleiten. Wir haben Verständnis für diejenigen, die sich durch das egoistische Verhalten der Verbände noch ein Stück weiter vom Profifußball entfernt haben. Wir rufen alle HSV-Fans auf, sich solidarisch mit den Menschen zu verhalten, die durch die Pandemie in Krisen geraten sind.

Dennoch wollen wir die “freie Zeit“ nutzen, um einen Selbstreflektionsprozess zu starten und uns zu fragen, wo der HSV aktuell steht. Die sportliche Situation derzeit erfreut uns. Allerdings sollten wir uns davon nicht blenden und vor allem nicht ablenken lassen. Denn es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt immer noch viele Fragen rund um unseren HSV. Gibt es Wege aus der aktuellen Situation? Inwiefern ist nachhaltiges Wirtschaften möglich? Wie soll sich das Unternehmen HSV Fußball AG in Zukunft aufstellen? Auf welche Zugpferde wird dabei gesetzt? Wie gehen wir als Fans mit Investoren um und was fordern wir hier vom HSV? Inwiefern nimmt dieser seine gesellschaftliche Verantwortung war? Wir wollen nicht immer nur gegen den Verein argumentieren, aber da unsere Finger in die Wunde legen, wo es nötig ist.

Angelehnt an die Kampagne „Zukunft Profifußball“ werden wir hier die nächsten drei Dienstage unsere Texte über den HSV zu folgenden Themen veröffentlichen:

24.11.20: Nachhaltiges Wirtschaften

01.12.20: Einfluss von Investoren

08.12.20: Gesellschaftliche Verantwortung

Die aktuelle Diskussion, welchen Fußball wir wollen, muss auch beim HSV geführt werden – mit allen Fans, in allen Gremien, auf der Tribüne und im Verein. Lasst uns gemeinsam einen Blick über den Tellerrand werfen.

Für eine bunte, laute und kritische Kurve – Für den HSV.

Förderkreis Nordtribüne e.V. im November 2020

 

Solidaraktion des HSV und der Fanszene

Moin HSV-Fans,

bedingt durch die neuesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie hat sich die aktuelle Lage weiter verschärft und die Zeiten sind rauer denn je.

Viele selbstständige HSV-Fans sind mit ihren Unternehmen von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen und benötigen in dieser Ausnahmesituation unsere Solidarität.

So trifft es Hamburger Unternehmer, wie Gastronomen, Kioskbetreiber oder Kneipenwirte, ohne die unser Alltag oder der geliebte Stadionbesuch nicht vorstellbar wäre.

Deshalb möchten wir als HSV-Familie noch näher zusammenrücken und an die „HSVer für Hamburg“-Aktion im Mai diesen Jahres anknüpfen.

Dazu wurde von unserer Fanszene in Zusammenarbeit mit dem HSV ein T-Shirt erstellt, welches ab sofort im Onlineshop des HSV vertrieben wird.

Das T-Shirt ist dort für 18,87€ zu erwerben. Der gesamte Gewinn wird zu 100 Prozent an betroffene HSV-Fans gespendet.

Seid ihr mit eurem Unternehmen eng mit der HSV-Familie verwurzelt und habt unter pandemiebedingtem finanziellen Druck zu leiden? Dann meldet euch bitte unter Fankultur@HSV.de und wir werden schauen, wie wir euch mit den uns gegeben Möglichkeiten unterstützen können, um diese harte Zeit gemeinsam durchzustehen.

Jedes Shirt hilft! Stattet euch und euer Umfeld mit Shirts aus, zeigt euch solidarisch und bekennt Farbe für unsere Stadt und unseren Verein!

Für einen bedingungslosen Zusammenhalt in schweren Zeiten.

HSVer für Hamburg

Statement zu der Teilzulassung von Fans

Moin Nordtribüne,

über unsere eigenen Kanäle und die Statements der Fanszenen Deutschlands haben wir uns während der immer noch anhaltenden Pandemie mehrfach zu verschiedenen Themen positioniert. Die bisher geäußerten Standpunkte vertreten wir auch weiterhin.

Mittlerweile wird auch in unserem Volksparkstadion wieder vor Publikum gespielt und es ist auch eine teilweise Öffnung der Nordtribüne absehbar. Wir, die aktiven Gruppen der Nordtribüne, werden in den kommenden Spielen keinen Support organisieren. Fußball ist auch für uns der schönste Sport der Welt und uns blutet das Herz. Darüber hinaus ist Fußball für uns aber weit mehr als nur das Spiel selbst. Er bedeutet für uns die Begegnung mit Bekannten und teilweise völlig fremden Menschen, die denselben Verein lieben und leben. Es ist das Teil sein einer Gemeinschaft, die sich Woche für Woche voller Hoffnung und Vorfreude auf den Weg in die Stadien dieses Landes macht, um unseren Verein und unsere Stadt zu repräsentieren und der Mannschaft mit der Raute auf der Brust den Rücken zu stärken. Diese Gemeinschaft hat in den letzten Jahren die aus sportlicher Sicht dunkelsten Stunden unserer Vereinsgeschichte erträglich gemacht, da immer noch tausende Herzen unserer Stadt für unseren HSV schlagen.

Wir werden erst wieder den Support organisieren, wenn der Stadionbesuch wieder allen HSV-Fans möglich ist und darüber hinaus die Freiheiten beim Stadionbesuch dasselbe Niveau, wie vor der Pandemie, erreicht haben. Uns ist dabei bewusst, dass ein uneingeschränktes Stadionerlebnis noch in einiger Ferne liegt und wir eher Monate als Wochen mit der Konsequenz unserer Entscheidung leben müssen.

Die Zeit, die normalerweise in die Vorbereitung der Spieltage fließt, werden wir dabei nutzen kritisch darauf zu achten, dass wir nach hoffentlich bald überstandener Pandemie dieselben Umstände vorfinden, wie vor den einschränkenden Maßnahmen. Personalisierte Tickets, die Abschaffung von Stehplätzen, Gästefanverbote und die diversen weiteren Einschränkungen dürfen nicht, wie von verschiedenen Politikern, Polizeigewerkschaftlern oder Funktionären gefordert, zu Normalzuständen werden. Wir fordern die Verantwortlichen des HSV daher auf, sich beim DFB, der Politik sowie insbesondere der DFL für eine Aufhebung aller Einschränkungen einzusetzen, sobald dies aus gesundheitlicher Sicht wieder realistisch ist.

Auf dass wir die Nordtribüne und die Gästeblöcke dieses Landes möglichst bald wieder gemeinsam mit unserer blau-weiß-schwarzen Leidenschaft füllen können.

Bleibt gesund!

Die aktiven Gruppen der Nordtribüne Hamburg im September 2020

Statement zu der Hausdurchsuchung bei Bakery Jatta

Es sind einige Monate vergangen, in denen die Ermittlungen bezüglich der Identität von Bakery Jatta scheinbar ruhten. Trotzdem kam es am vergangenen Donnerstag zu einer Durchsuchung seiner Wohnung durch die Polizei, abgenickt durch die Staatsanwaltschaft.

Dass das Bezirksamt die Ermittlungen bereits eingestellt hatte, scheint dabei nichts zur Sache zu tun. Vielmehr drängt sich uns der Eindruck auf, dass die Allianz von BILD und Staatsanwaltschaft, getragen von alltagsrassistischen Klischees, ihr angekratztes Ego aufpolieren möchte und daher zu solch drastischen Maßnahmen greift. Anders ist nicht zu erklären, weshalb ein Reporter der BILD-Zeitung bereits zum Startzeitpunkt der Hausdurchsuchung am frühen Morgen mit vor Ort sein und sensible Informationen sammeln konnte.

Allzu verwunderlich ist dieser Vorgang und die damit verbundene Einstellung nicht. Die ganze abgelaufene Saison über wurde in der BILD stets Jattas angeblich „richtiger“ Name Daffeh in Verbindung mit seiner Person gebracht, wenn es um die Berichterstattung rein sportlicher Leistungen ging.

Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum die Polizei einem einzelnen Pressevertreter der Zeitung, die diese eklige Kampagne überhaupt erst gestartet und dabei Menschen vorverurteilt und stigmatisiert hat, einen Exklusivbericht ermöglicht. Und das, obwohl die BILD seit über einem Jahr jeden Beweis für ihre Behauptungen schuldig geblieben ist. Von einer ausgewogenen oder neutralen Berichterstattung kann bei derartigen Vorgängen kaum die Rede sein. So tritt das Medium ein weiteres Mal zugleich als selbstgerechter Ankläger und Richter in dieser Affäre auf.

Unabhängig von der hier komplett ignorierten Unschuldsvermutung, spielt es für uns jedoch keine Rolle, ob Bakery bei seiner Flucht aus Gambia im Jahre 2015 17 Jahre alt war, oder doch bereits volljährig. Ein Mensch, der durch die Sahara und über das Mittelmeer flüchtet, tut dies garantiert nicht aus der Absicht heraus, deutsche Behörden zu überlisten und Profifußballer zu werden. Tagtäglich ertrinken Menschen mit ähnlichen Schicksalen wie dem von Bakery oder werden von Grenzbeamten misshandelt und gefoltert. Das ist der wahre Skandal.

Wir freuen uns darüber, dass der HSV bislang die Werte vertreten hat, für die unser Verein qua Satzung steht. Wir stehen weiterhin voll und ganz hinter unserem Spieler und Mitbürger Bakery Jatta und fordern die Stadt Hamburg dazu auf, das Gleiche zu tun. Bakery Jatta steht für uns mit seiner Prominenz als Fußballprofi stellvertretend für alle Menschen, die in Hamburg Zuflucht und ein sicheres Leben suchen.

Wir fordern die unverzügliche Rückgabe aller von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Geräte an Bakery Jatta, sowie eine sofortige Einstellung des Ermittlungsverfahrens. Zudem fordern wir den HSV auf, falls bestehend, jede Zusammenarbeit mit der BILD einzustellen.

BAKERY – NO MATTER WHAT, WE GOT YOUR BACK!

Banda Caotica
Castaways
Clique du Nord
Forza Hamburg
Förderkreis Nordtribüne e.V.
HH-Ost
Iron Loyalty
Nordhessen
Turn Up

English Version:

Several months have passed in which the investigations regarding the identity of Bakery Jatta seems to have been suspended. Nevertheless, last Thursday his apartment was searched by the police, nodded off by the public prosecutor’s office.

The fact that the district office had already suspended the investigation seems to have been widely ignored. On the contrary, we are forced to believe that the alliance between the newspaper BILD and the public prosecutor’s office, supported by everyday racist clichés, wants to polish up its bruised ego and, is therefore, resorting to such drastic measures. There is no other way to explain why a BILD reporter was able to be on the scene early in the morning when the house search began and to collect sensitive information.

This process and the attitude it entailed is not all that surprising. Throughout the entire past season, the BILD has always associated Jatta’s allegedly „real“ name Daffeh with his person when it came to reporting purely sporting achievements.

Even more reason to ask why the police allowed a single press member to write an exclusive report for the newspaper that started this disgusting campaign in the first place and prejudiced and stigmatized people in the following. Although BILD has been failing to provide any evidence for its claims for over a year. There can hardly be any talk of balanced or neutral reporting in such a case. Thus, the media once again appears as a self-righteous prosecutor and judge in this affair.

Irrespective of the presumption of innocence, which is completely ignored here, it makes no difference to us whether Bakery was 17 years old when he fled Gambia in 2015, or whether he was already of age. A person who flees through the Sahara and across the Mediterranean is certainly not doing so with the intention of outwitting German authorities and becoming a professional footballer. Every day people with similar fates to Bakery are drowning or maltreated and tortured by border guards. That is the real scandal.

We are delighted that HSV has so far represented the values that our club stands for according to its statutes. We continue to fully support our player and fellow citizen Bakery Jatta and call on the city of Hamburg to do the same. For us, Bakery Jatta, with his celebrity status as a professional footballer, is representative of all people who seek refuge and a secure life in Hamburg.

We demand the immediate return of all equipment confiscated by the public prosecutor’s office to Bakery Jatta and an immediate halt to the investigation. We also call on HSV to cease any cooperation with BILD, if anything of the sort exists.

BAKERY – NO MATTER WHAT, WE GOT YOUR BACK!

Spendenergebnis der virtuellen Fanhausöffnung

Moin Nordtribüne,

gemeinsam mit dem HSV-Fanprojekt öffneten wir zum Wochenende vom 15. bis 17. Mai das Fanhaus – virtuell. An jenem Wochenende hätte das Spiel gegen Sandhausen stattgefunden. Mit der Aktion wollten wir die Krankenstube für Obdachlose unterstützen (http://nordtribüne-hamburg.de/2020/05/virtuelle-fanhausoeffnung/). An dieser Stelle möchten wir uns für jede Spende nochmals bedanken und geben hier die Spendensumme bekannt.

Gespendet wurden 2827,70 Euro. Wir haben uns riesig über das Ergebnis gefreut. Ein großes Zeichen der Solidarität von Euch!

Letzte Woche übergaben wir gemeinsam mit Geneviève vom Fanprojekt das Geld. Wir konnten einen kleinen Einblick in die beeindruckende Arbeit der Mitarbeiter*innen und ehrenamtlich Engagierten bekommen. Selbstverständlich wurden die geltenden Vorschriften und der Mindestabstand eingehalten.

Der Leiter der Krankenstube Thorsten Eikmeier (Todde), viele kennen ihn sicher noch, nahm die Summe dankend entgegen und freute sich sehr.

Die Dankesbriefe, für Spenden ab 10 Euro, werden wir diese Woche versenden.

Im Bild: Geneviève und Todde

 

Die Fanszenen Deutschlands nehmen Stellung

In der Krise beweist sich der Charakter

Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht. 

Wir hätten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird. 

Veränderungen

„Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Zwar zeugt die von der DFL getätigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Maßstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausmaß man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde. 

Es ist jetzt, und nicht erst nach überstandener Krise, an der Zeit, über konkrete Veränderungen im Profifußball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:

1.       Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder

Der aktuelle Verteilungsschlüssel sorgt dafür, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung fördert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivität der Ligen.

2.       Rücklagen

Es muss festgelegt werden, dass die Clubs Rücklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem Rücksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und dafür adäquate Lösungen gefunden werden, ohne diese – ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen. Schließlich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidität genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise geführt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverständlich.

3.       Gehalts- und Transferobergrenzen 

Spielern und Funktionären seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien vergönnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Auswüchse zu stoppen und dem irrationalen und unverhältnismäßigen Wettbieten entgegenzuwirken.

4.       Einfluss durch Berater beschränken

Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches für den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschränkt werden.

Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erklären lässt, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Ablösesummen ist, der dem eigenen Verein tatsächlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.

Zu hoch sind die Beträge, die bei den Transfererlösen bei den Spielerberatern hängen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Schützlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das „Kasse machen“, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs öfter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zuträglich wäre.

Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den großen Beratungsbüros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die Höhe treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gestört und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifußball kein Interesse haben kann.

Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen füllen und die Verbände die Augen verschließen!

Natürlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fußball, wenn gute Spieler gute Gehälter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.

5.       Kader begrenzen

Durch aufgeblähte Spielerkader lagern die Vereine „Kapital“ auf Ihren Auswechselbänken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht für die Konkurrenz auflaufen können und lässt sie dann auf der Bank oder Tribüne versauen. Vereine, die es sich leisten können, blähen ihre Kader künstlich auf. Dem Motto folgend „was ich habe hat schon mal kein anderer“. Das ist natürlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.

Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskräften sollte dennoch jederzeit möglich sein, denn würde es rein um die Absicherung gegen Ausfälle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein großer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu fördern.

Ein „Zusammenkauf“ von Profispielern „auf Halde“ ist grundsätzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worten der Verbandsvertreter und von Funktionären, den Fußball ändern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschwören von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine lösungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.

Fanszenen Deutschlands im Mai 2020